Dokumentation zur Fachkonferenz Daten-Labor

In 24 Beiträgen fassen Studierende des Wissenschaftsjournalismus die Ergebnisse der Fachkonferenz Daten-Labor an der Technischen Universität Dortmund zusammen: Porträts der Referenten und Artikel zu verschiedensten Themen – vom perfekten Datenteam bis zum algorithmengetriebenen Journalismus – geben interessante Einblicke in den Datenjournalismus und zeigen, wo es Berührungspunkte zu verschiedenen Wissenschaften gibt. Alle Beiträge unter: nrch.de/datenlabor15doku

Einige Highlights:

Das große Tauziehen um den Datenschutz

Ein umstrittenes Feld: Informationsfreiheit versus Datenschutz. Foto: Rainer Sturm / pixelio

Welcher Weg ist der richtige im Gezerre um Datenschutz und Informationsfreiheit? Foto: Rainer Sturm / pixelio

Von Katharina Schmitz

Wo sterben die meisten Menschen nach dem Einsetzen eines Herzkatheters? Wo in Deutschland gibt es die meisten Sepsis-Toten? Um solche Fragen beantworten zu können, zahlt Volker Stollorz regelmäßig 200 Euro an das Statistische Bundesamt. Denn die Behörde herrscht über die amtliche Krankenhaus-Statistik, einen riesigen Datensatz, der unter anderem alle in deutschen Krankenhäusern gestellten Diagnosen und alle vorgenommenen Eingriffe erfasst. Stollorz, Leiter des 2015 gegründeten deutschen Science Media Center, versucht mit Hilfe dieser Daten die Qualität der Gesundheitsversorgung auf regionaler Ebene transparent zu machen. Er will Fragen klären, die für die Öffentlichkeit – insbesondere für potenzielle Patienten – relevant sind. Das Problem: Die Daten lassen sich nur bis auf Kreisebene aufschlüsseln. Einzelne Krankenhäuser kann Stollorz nicht identifizieren, dort scheitert er am Datenschutz. Das eigentliche Ziel seiner Arbeit, nämlich dass der Patient ein gutes Krankenhaus für seine Beschwerden findet, kann er also nicht erreichen – ein Beispiel dafür, wie Datenschutz Journalisten ausbremst. Weiterlesen

Mehr Daten in den Wissenschaftsjournalismus

Eine Chance für das Science Media Center Germany

Die Webseite re3data.org sammelt Forschungsdatenbanken nach Themen sortiert. Könnte auch das SMC Germany Daten bereitstellen und einschätzen? Bild: Screenshot re3data.org

Die Seite re3data.org verlinkt Forschungsdatenbanken. Wie könnte das SMC Journalisten helfen, Forschungsdaten für ihre Geschichten zu nutzen? Bild: Screenshot re3data.org

Von Jana Burczyk

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat wegen des Zika-Virus den internationalen Gesundheits-notstand ausgerufen. Ein Warnsignal zur rechten Zeit oder eine Überreaktion nach Ebola? Es kommt oft vor, dass Journalisten komplexe Sachverhalte aus Medizin und Wissenschaft schnell einordnen müssen. Einen Ansprechpartner zur Hand zu haben, der diese zuverlässig einschätzen kann, ist in einer solchen Situation Gold wert. Genau dort will das Science Media Center Germany (SMC) ansetzen und Experten, Hintergrundinformationen oder mögliche Rechercheansätze für Journalisten zur Verfügung stellen. Darüber hinaus könnte das SMC aber auch den datengetriebenen Wissenschaftsjournalismus voranbringen.
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Attraktiv, zugänglich, faktentreu

Welchen Ansprüchen müssen datenjournalistische Visualisierungen genügen?

Die Infografik "Diamonds were a girl's best friend" aus dem Time Magazine von 1982. Mit freundlicher Genehmigung des Urhebers.

Die Infografik „Diamonds were a girl’s best friend“ aus dem Time Magazine von 1982. Mit freundlicher Genehmigung des Urhebers.

Von Xenia El Mourabit

Lasziv räkelt sich eine Frau auf dem Boden, den großen roten Mund leicht geöffnet, ein Bein elegant abgespreizt. Der hautenge Body erlaubt tiefe Einblicke in ihr Dekolleté. Mit einer kecken Bewegung schiebt die junge Dame ihren Zylinder aus dem Gesicht. Ihre Armreifen sind mit Diamanten besetzt; und um die geht es hier eigentlich. Denn die Dame leiht ihren Körper einer Grafik des Time Magazine, die den durchschnittlichen Preis von Diamanten zwischen 1978 und 1982 zeigt. Die Preisentwicklung läuft entlang ihrer Konturen – Hintern, Oberschenkel, Unterschenkel, Fuß. Wer aber hat angesichts dieser Figur noch Augen für schnöde Statistik? Der Preisverfall der Diamanten rückt bei diesem Anblick vollkommen in den Hintergrund.
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Der Daten-Akrobat

Sascha Venohr (Zeit Online) spricht über das Projekt „Europa schiebt ab"

Sascha Venohr (Zeit Online) spricht über das Projekt „Europa schiebt ab“. Foto: Franziska Senkel

Von Jana Burczyk

24. März 2015, 11:30: Ein vollbesetztes Flugzeug soll über Südfrankreich abgestürzt sein. Das Schicksal der 148 Passagiere und der Crew ist unbekannt, vermutlich waren viele Deutsche an Bord – so weit die Meldungen der Nachrichtenagenturen. Jetzt müssen Sascha Venohr und sein Datenjournalismus-Team bei Zeit Online schnell sein: Welche Daten gibt es zum Flugverlauf der Maschine? Was sagen meteorologische Daten über das Wetter vor Ort? Kann ein Unwetter der Grund für den Absturz gewesen sein? Für Venohr gehört es zum Alltag, dass solche unerwarteten Ereignisse die Arbeit an großen Projekten unterbrechen. Er muss daher stets einen Balanceakt zwischen aufwendigen Datengeschichten einerseits und aktueller Berichterstattung andererseits meistern. Weiterlesen

Mitmachen bei der Daten-Party

Fünf Tipps für den Einstieg in den Datenjournalismus

Den Weg durchs Datenjournalismus-Labyrinth finden? Diese Tipps helfen dabei. Foto: Michael Coghlan/Flickr

Den Weg durchs Datenjournalismus-Labyrinth finden? Diese Tipps helfen dabei. Foto: Michael Coghlan/Flickr

Von Anastasiya Polubotko

Interaktive Karten, aufwendiges Design, monatelange Investigativ-Recherche: So manch datenjournalistisches Projekt wirkt geradezu einschüchternd aufwendig. Denn die meisten Journalisten können weder ein Team von Programmierern und Designern noch ein großes Budget oder Programmierkenntnisse vorweisen. Wie man als Neuling dennoch den Einstieg in den datengetriebenen Journalismus schafft, haben wir auf der Datenlabor-Tagung erfragt. Weiterlesen

Gestrichelt, verwischt, gerundet

Wie viel Unsicherheit verträgt der Datenjournalismus?

Von Lilith Teusch

Wie wird die globale Durchschnitttemperatur im 21. Jahrhundert steigen? Weiß man nicht so genau. Bild: 2007 IPCC WG1 AR-4

Wie stark wird die globale Durchschnitttemperatur im 21. Jahrhundert steigen? Weiß man nicht so genau. Bild: 2007 IPCC WG1 AR-4

17.538.251 Menschen – exakt so viele lebten am 09.05.2011 in Nordrhein-Westfalen. Das sagt zumindest die amtliche Statistik. Und was die sagt, wird ja wohl stimmen. Exakte Zahlen und ihre Visualisierungen wirken immer so wunderbar vertrauenserweckend, mal in einem schlichten Balkendiagramm, mal als bunte und interaktive Karte. Doch der Schein trügt: Auf die einzelne Person genau lässt sich die Einwohnerzahl nie bestimmen. Jede Messreihe, jede Bevölkerungszählung enthält Fehler – etwa noch nicht registrierte Umzüge oder andere Messfehler. Ein Datensatz birgt immer eine gewisse Unsicherheit. Wie aber soll der Journalist diese Unsicherheiten grafisch darstellen? Eine verbindliche Norm dafür gibt es nicht, jedenfalls noch nicht – aber viele Vorschläge.  Weiterlesen

Ihrer Zielgruppe gefällt das

Wenn Algorithmen Themen finden

Die Social-Media-Community zwitschert auf Twitter und der Algorithmus generiert daraus die wichtigen Nachrichten. Ein Zukunftsmodell für den Journalismus? Bild: Coolen Simon/opensource.com/Flickr

Bestimmt bald nur noch das Gezwitscher der Social-Media-Community die journalistische Themenwahl? Bild: Colleen Simon/opensource.com/Flickr

Von Marie-Louise Timcke

Zwischen dpa, Reuters und der Associated Press haben sich längst soziale Netzwerke als beliebte Nachrichtenquellen für Journalisten eingeschlichen. Ob es um die Schwangerschaft eines Hollywood-Sternchens oder die aktuelle Situation in einem Kriegsgebiet geht: Kaum ein Nachrichtenmedium kann so schnell reagieren wie die Social-Network-Community. Neben Bildern, Videos und Texten liefert sie ein Stimmungsbild in Echtzeit und ermöglicht Journalisten, Kontakt mit Augenzeugen aufzunehmen. Algorithmen helfen den Medienmachern, aus der Flut an Informationen in den sozialen Netzwerken die vermeintlich wichtigsten Neuigkeiten zu Tage zu fördern. Doch ist das die richtige Antwort auf neue Leserbedürfnisse und Datenströme oder der erste Schritt zu einem Algorithmen- und Trend-getriebenen Journalismus, der selbst keine wichtigen Themen mehr setzt? Weiterlesen

Der Transparenz-Verfechter

Timo Grossenbacher ist Datenjournalist bei SRF Data. Foto: Franziska Senkel

Timo Grossenbacher ist Datenjournalist bei SRF Data. Foto: Franziska Senkel

Von Anastasiya Polubotko

Timo Grossenbacher glaubte schon früh zu wissen, was oft falsch läuft in den Medien. Und das noch bevor er selbst Journalist wurde. Schon als Geografie- und Informatikstudent kritisierte der Schweizer die Intransparenz medialer Berichterstattung. Und zwar nicht nur im Fernsehen und Radio, sondern auch in Print- und Online-Medien, wo Journalisten durch Verlinkungen eigentlich besonders einfach auf ihre Quellen hinweisen können. Das Problem sei ihm zwar medien- und ressortübergreifend aufgefallen, sagt Grossenbacher, doch im Wissenschafts- und Datenjournalismus trete es besonders deutlich hervor: Wenn von Studien berichtet werde, ohne auf die Studie selbst direkt hinzuweisen. Oder, wenn Daten zwar hübsch auf einer Karte visualisiert würden, aber als Rohdaten selbst nicht zugänglich seien. Dann müsse der Leser darauf vertrauen, dass der Journalist seine Arbeit gut getan habe. Aber wo bleibt der Beweis? Weiterlesen

Der Kollege vom anderen Stern

Auf gemeinsamer Mission im Daten-Team

Mit Programmierern im Team arbeiten – da müssen Journalisten schon ein bisschen Technik-affin werden. Foto: Flickr/20after4

Mit Programmierern im Team arbeiten – da müssen Journalisten schon ein bisschen technikaffin werden. Foto: Flickr/20after4

Von Verena Mengel

Nenn mir deine Ausbildung und ich sag dir, wer du bist. Für den Datenjournalismus gilt das nur zum Teil: Denn in diesem Berufsfeld tummeln sich nicht nur ausgebildete Journalisten, sondern auch Programmierer und Designer. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die Stefan Weinacht und Ralf Spiller 2014 veröffentlichten. Sie wollten mehr über die Arbeitsroutinen im Datenjournalismus erfahren und interviewten dazu 35 Akteure aus der Branche. Demnach arbeiten Datenjournalisten nur in Ausnahmefällen alleine: „Alles kann ja eh keiner, also müssen wir im Team arbeiten“, zitiert die Studie den Beweggrund der Befragten. Dadurch nähern sich Berufsgruppen an, die vorher in der Regel nichts miteinander zu tun hatten. Und so stellt sich für den Datenjournalismus letztlich die Frage: Wer bin ich – und wenn ja, wie viele? Weiterlesen

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