Johannes Kröger, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der HafenCity Universität Hamburg. Foto: Franziska Senkel

Johannes Kröger, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der HafenCity Universität Hamburg. Foto: Franziska Senkel

Von Lilith Teusch

Leuchtend rot, Smaragd-grün bis hin zu tiefblau: Die vielfältige Farbenpracht eines Regenbogens dürfte die meisten Menschen wohl freuen und faszinieren. Nicht so Johannes Kröger, zumindest nicht wenn es um Karten geht. Denn der Geoinformatiker weiß, worauf es bei der Darstellung von Daten auf Karten ankommt – nämlich insbesondere auf die richtige Farbwahl. Und die farbenfrohe Regenbogenskala stört ihn besonders: „In dem Verlauf gibt es viel zu krasse Brüche in der Farbhelligkeit“, sagt er. Und das ist nur einer der vielen praktischen Kartografie-Tipps, die er den Teilnehmern des Daten-Labor 2015 mit auf den Weg gibt.

Landkarten haben Krögers Leben auf verschiedene Art und Weise geprägt. Schon vor dem Studium betrieb er als Hobby Geocaching, eine Art Schatzsuche, bei der die Schatzkarte durch ein GPS-Gerät oder Smartphone ersetzt wird. Davon begeistert, studierte er schließlich Geomatik an der HafenCity Universität Hamburg – ein Fach, das sich mit der Analyse, Sammlung und Präsentation von Geodaten befasst. Heute arbeitet er dort als wissenschaftlicher Mitarbeiter.

In die Zusammenarbeit mit Journalisten ist er eher „reingerutscht“. Wie das kam? Johannes Kröger gesellte sich im Jahr 2014 zu einem Open-Data-Stammtisch. Für diesen hatte er eine Karte von Hamburg vorbereitet, auf der die Gebäude nach ihren Baujahren unterschiedlich eingefärbt sind. Die Begeisterung, die die Stammtisch-Mitglieder ihm und seiner Karte entgegenbrachten, veranlasste ihn dazu, weitere Stammtische zu besuchen. So lernten ihn schnell weitere Journalisten kennen und schon bald fragte man ihn um Rat, wann immer es um Karten ging.

Als Journalist oder festes Mitglied eines journalistischen Teams versteht Johannes Kröger sich deshalb jedoch nicht. Er sieht sich selbst eher als externer Berater, der den Journalisten mit Rat und Tat zur Seite steht, vor allem, um die Qualität der Karten-Visualisierungen sicherzustellen. Denn bunte und interaktive Karten sind beliebt. Allerdings, sagt Kröger, seien Journalisten eben keine Geographen und oft sehe er Fehler in den Visualisierungen von Daten.

Kalte Farben suggerieren Rückgang, warme Farben Wachstum

Die Karte zeigt die Anzahl von Obama- und Romney-Tweets während des Präsidentschaftswahlkampfs im Jahr 2012. Aus Sicht von Johannes Kröger sind solche Regenbogenskalen äußerst problematisch. Quelle: Dr. Anthony C. Robinson / Penn State via poynter-org

Die Karte zeigt die Anzahl von Obama- und Romney-Tweets während des Präsidentschaftswahlkampfs im Jahr 2012. Aus Sicht von Johannes Kröger sind solche Regenbogenskalen äußerst problematisch.
Quelle: Dr. Anthony C. Robinson / Penn State via poynter.org

Besonders im Blick hat er hierbei vor allem die verwendeten Farben: „Es ist eigentlich ziemlich anstrengend. Ich schaue auf eine Karte und sehe sofort, was mit den Farben nicht stimmt.“ Er bezeichnet sich selbst auch als „Farben-Nerd“; die richtige Farbwahl interessierte ihn so sehr, dass er sie zum Thema seiner Bachelorarbeit machte. Viel zu häufig würden Farben vernachlässigt, erklärt Kröger, dabei sei die richtige Farbwahl ein äußerst wichtiger Punkt. Die Farben sollten so gewählt sein, dass sie intuitiv wirken, sagt er. Kalte Farben suggerierten zum Beispiel einen Rückgang, warme Farben Wachstum. Dabei sollten die Helligkeitsabstufungen in gleich großen Intervallen gewählt sein. Denn wenn die Farbe auf einer Karte von einer Klasse zu anderen plötzlich viel dunkler oder heller würde, wirke das irritierend – zum Beispiel bei der Regenbogenskala. Außerdem müsse mit der Farbe Rot sehr vorsichtig umgegangen werden, da sie Negatives suggeriere.

Datenjournalisten sollten sich auf Fachgebiete spezialisieren

Im Datenjournalismus sieht Johannes Kröger viel Potential, seine Ansprüche an die Journalisten sind allerdings hoch. Gerade das Programmieren hält er für wichtig: „Es spart wahnsinnig viel Zeit, wenn man sich zum Beispiel eigene Tools bauen kann, wenn man Probleme mit dem Datensatz hat.“ Zudem sollten Datenjournalisten Daten eigenständig bereinigen und auch mit großen Datenmengen umgehen können. Außerdem, sagt Kröger, sollten sie einschätzen können, wie ein Datensatz zu bewerten ist. Um mit Daten arbeiten zu können, müsse man sie zu allererst selbst verstehen, sonst passierten schnell Fehler.

Zukünftig erhofft Tröger sich mehr Spezialisierung im Datenjournalismus. Wenn es nach ihm ginge, sollten sich die Datenjournalisten für Fachgebiete entscheiden. „Das klingt vielleicht nach ein bisschen viel Spezialisierung: erst Datenjournalist und dann auch noch ein Fachgebiet“, aber genau das, denkt er, wäre der richtige Weg.

Für „super wichtig, eigentlich essenziell“ hält Johannes Kröger es außerdem, mit Wissenschaftlern zusammenzuarbeiten und so Fehlinterpretationen zu vermeiden. Denn nur die Kooperation könne dafür sorgen, dass es irgendwann keine Karten in Regenbogenfarben mehr gibt.

Dieser Beitrag wurde am 27.12.2015 aktualisiert.