Michael Hörz (im Bild rechts) vermittelt gerne seine Datenjournalismus-Kenntnisse – hier beim Daten-Labor 2015.

Michael Hörz (im Bild rechts) vermittelt gerne seine Datenjournalismus-Kenntnisse – hier beim Daten-Labor 2015. Foto: Franziska Senkel

Von Verena Mengel

Technik faszinierte Michael Hörz schon, als man vielen Menschen noch erklären musste, was Daten eigentlich genau sind. Als Student baute er sich Fahrräder aus Einzelteilen zusammen. Ende der 90er-Jahre gesellte sich zur Technikaffinität eine Begeisterung fürs Internet. Als Onlinejournalismus noch Neuland war, wurde Michael Hörz Redakteur für die Website des Tagesspiegels. Durch seine Berichterstattung über den Verein Open Data Network lernte er Lorenz Matzat kennen, der später die Datenjournalismusagentur OpenDataCity gründete. Michael Hörz begann, sich ehrenamtlich im Verein zu engagieren, begeisterte sich bald auch für Datenjournalismus – und baute nun aus einzelnen Daten Geschichten zusammen.

Als er 2010, inzwischen als Online-Redakteur beim Rundfunk Berlin-Brandenburg eine interaktive Karte zu den Flugrouten des geplanten Hauptstadt-Flughafens vorschlug, musste er jedoch erkennen: Die Redaktion hielt „Datenjournalismus“ offenbar für ein exotisches Fremdwort, dem man misstraute. „Das war mein Schlüsselerlebnis, bei dem ich festgestellt habe, wenn ich das machen will, muss ich das frei machen“, erzählt Michael Hörz. Deshalb wurde er freier Datenjournalist – und schließlich auch Dozent für dieses Berufsfeld. „Ich habe ein Faible, Sachen zu vermitteln oder es ist vielleicht auch ein bisschen eine Familientradition“, erklärt Michael Hörz: Seine Mutter war Lehrerin, sein Vater Hochschullehrer. Auch seine Großeltern waren Lehrer. Er bezeichnet sich daher selbst als „Wissensvermittlungskind“.

Doch wie bringt man Neueinsteigern bei, aus Datenbergen Geschichten zusammenzusetzen? Einer von Michael Hörz’ Ansätzen: Speeddating. Doch statt mit der potenziellen großen Liebe sprechen die Teilnehmer seiner Workshops und Lehrveranstaltungen in diesem Format mit eingeladenen Datenjournalismus-Experten. Diese erklären den Daten-Neulingen ihre persönliche Herangehensweise und unterstützen Projektvorschläge.

Unterstützung von erfahrenen Datenjournalisten

Ein solches Projekt ist „airbnbvsberlin“. Drei Studenten der FH Potsdam fragten sich, ob „Sharing Economy“-Portale wie Airbnb Mitschuld an den hohen Mieten in Berlin tragen. Zusammen mit dem investigativen Datenjournalisten Sebastian Mondial untersuchten die Studenten die Datensätze von Airbnb. Julius Tröger von der Berliner Morgenpost unterstütze die Gruppe bei der Gestaltung der graphischen Elemente. Ein Ergebnis: Jede 240te der knapp 1,9 Millionen Berliner Wohnungen war auf Airbnb zu finden. Daten-Trainer Michael Hörz erläutert: „Wenn Studenten hinterher eine Website veröffentlichen mit dem Projekt, und die haben alles richtig gemacht und richtig viel Publizität dafür bekommen, dann hat das Speeddating-Konzept funktioniert.“

Der Schritt zwischen Grundidee und Datenbeschaffung für eine neue Geschichte reizt Michael Hörz. Jetzt, da er Kollegen nicht mehr erklären muss, was Datenjournalismus ist, könnte er sich vorstellen, wieder fest in einer Redaktion zu arbeiten. Und er hofft, dass das allgemeine Datenverständnis in den kommenden Jahrzehnten so anwächst, dass der Begriff „Datenjournalismus“ nicht mehr benötigt wird. Denn mit Daten zu arbeiten, so Michael Hörz, sollte für jeden Menschen so selbstverständlich werden wie Telefonieren.