Autor: Paul Myers

Online zu recherchieren ist Arbeitsalltag für die meisten Journalist:innen – so auch für Paul Myers, der für die BBC arbeitet und regelmäßig Vorträge auf GIJN-Konferenzen hält. Im Mai 2021 veranstaltete das GIJN zwei Webinare mit Myers, der seine liebsten Tools und Strategien zur Onlinerecherche geteilt hat – und die dieser Guide zusammenfasst.

Hinweis: Die Nennung spezifischer Dienste und Produkte bedeutet nicht, dass diese bevorzugt empfohlen werden. Alternativ kannst du auch andere Produkte und Dienste nutzen.

three person pointing the silver laptop computerFoto: @johnschno // Unsplash Licence

Personen via Google finden

Jede:r kennt natürlich die Suchmaschine Google, jedoch gibt es ein paar Tipps und Tricks, um sie noch effektiver zu nutzen. Hier die Grundlagen:

  • Um deine Suche einzugrenzen, kannst du Suchbegriffe entweder in Anführungszeichen setzen oder vor Suchbegriffen, die in unerwünschte Richtungen führen, ein Minuszeichen stellen.
    Suche beispielsweise nach “Michael Jordan” statt nach Michael Jordan. Damit stellst du sicher, dass dir nur Seiten angezeigt werden, in denen es um den Basketballstar geht, und nicht Websites, auf denen die Begriffe Michael oder Jordan zufällig oder in falscher Reihenfolge vorkommen
  • Du kannst deine Suche flexibler gestalten, indem du das Wort OR in Großbuchstaben zwischen zwei Optionen setzt, z. B.: Apple OR Android App
  • Wenn du deine Suche auf eine bestimmte Domain beschränken möchtest, kannst du das Präfix site: nutzen (ohne Leerzeichen danach).
    Wenn du beispielsweise herausfinden möchtest, welche Informationen die indische Regierung über Covid zur Verfügung stellt, kannst du nach site:gov.in COVID suchen
  • Falls du ein PDF-Dokument suchst, gib ext:pdf in die Suchleiste ein. Dadurch sucht Google ausschließlich nach PDFs. Falls du einige Wörter aus dem gesuchten PDF kennst, kannst du diese Wörter in Anführungszeichen setzen und suchen (siehe oben), um weitere Quellen für dasselbe Dokument zu finden.

Zeitreisen

Hin und wieder benötigst du als Journalist:in Informationen, die aus dem Internet entfernt wurden, z. B. einen gelöschten Tweet, eine deaktivierte Webseite oder ein getilgtes Facebook-Konto. Mithilfe verschiedener Tools lassen sich solche Informationen wiederherstellen.

Die Caches der Suchmaschinen

Wenn der Inhalt, den du suchst, erst vor kurzem gelöscht wurde und bei einer Google-Suche noch angezeigt wird, kannst du das kleine schwarze Dreieck neben dem Eintrag anklicken. Falls noch eine Kopie der Seite im Cache der Suchmaschine vorhanden ist, erhältst du dadurch Zugriff darauf.

Innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens suchen

Manchmal überlagern aktuelle Inhalte ältere Informationen über eine Person. Wenn du nach Details aus einem bestimmten Zeitraum oder vor einem bestimmten Ereignis suchst, kannst du in deiner Google-Suche über die Option Tools einen Datumsbereich im Dropdown-Menü auswählen.

Archive

Gelöschte Beiträge und Konten in sozialen Medien lassen sich mithilfe von Archive.is wiederfinden und verschwundene Websites mit der Wayback Machine archive.org.

Umgekehrte Bildersuche

Herauszufinden, wo ein Bild online hochgeladen wurde und aktuell zu finden ist, kann dir Aufschluss und mehr Informationen über abgebildete Personen geben. Beispielsweise kannst du mit Google Images eine umgekehrte Bildersuche durchführen, indem du ein Foto oder einen Fotolink hochlädst und das Kamerasymbol in der Suchleiste anklickt .

Google signGoogle kann mit einfachen Tricks noch gezielter suchen. Foto: @pawelczerwinski // Unsplash Licence

Die richtige Person finden

Da viele Namen oft gängig oder manchmal unvollständig sind, solltest du so viele Informationen wie nur möglich über die Person sammeln, zu der du recherchierst. Denk dabei an folgende Punkte:

  • Name: Schreibweise, Abkürzungen, Übertragungen aus anderen Alphabeten, möglicherweise Verwendung des Nachnamens eines anderen Elternteils, Namensänderungen nach einer Heirat, Usernames
  • Beziehungen: Familienmitglieder auf Freundes- oder Followerlisten, dieselbe befreundete Person taucht über unterschiedliche Netzwerke hinweg auf.
  • Berufliches: Jobs, Firma, frühere Arbeitgeber:innen
  • Geografisches: Geburtsort, Wohnort, Arbeitsort
  • E-Mail-Adresse: Über Firmenwebsites lassen sich oft die beruflichen Mail-Adressen der Mitarbeiter:innen oder zumindest das Schema, nach dem diese erstellt sind, herausfinden
  • Privates: Denk auch an die Interessen, Hobbies und Anliegen der Person und ruf dir das Aussehen der Person ins Gedächtnis

Tools für die Personensuche

Einige Onlinedienste stellen die persönliche Daten in Dossiers zusammen. Beispielsweise sind Pipl Pro oder Spokeo speziell auf die Personensuche zugeschnittenen und können dir viele Informationen zur gesuchten Person liefern. Pipl sucht anhand von Telefonnummern und E-Mail-Adressen. Spokeo arbeitet ähnlich, ist allerdings auf US-Bürger:innen spezialisiert.

Social Media durchforsten

Viele Menschen haben verschiedene soziale Netzwerke für diverse Zwecke mit teilweise unterschiedlichen Follower:innen. Schau dir daher zuerst verschiedene Plattformen an und nutze dort die interne Suchfunktion, bevor du auf Google suchst. Die Plattformen sind direkter mit ihren eigenen Datenbanken verbunden und können dir dadurch mehr aktuelle Informationen liefern. Da manchen soziale Netzwerke wie zum Beispiel Instagram jedoch keine sonderlich gute Suchfunktion haben, empfiehlt es sich im zweiten Schritt zu googlen, beispielsweise mit der Suchanfrage site:instagram.com (und der Person, die du suchst).

Twitter

  • Twitter hat eine eigene erweiterte Suche, die relativ flexibel ist und sich mit anderen Tools kombinieren lässt, z.B.:
  • Tweepsect zeigt an, wer einer Person folgt und wem sie selbst folgt
  • Followerwonk vergleicht die Follower von zwei oder drei Accounts miteinander
  • Tweetbeaver hat viele hilfreiche Twitter-Suchmachinentools.
  • Hashtags, die für deine Recherche relevant sind, zu identifizieren, kann dir ebenfalls bei der Suche helfen.

Facebook

  • Gruppen und Seiten auf Facebook haben eigene Suchleisten, über die du einzelne Beiträge finden kannst
  • Die Personensuche auf Facebook ist eine der nützlichsten Funktionen. Dort musst du nicht einmal einen Namen suchen. Gib einfach ein paar Buchstaben und Details über die Person, nach der du suchst, ein, wie den Beruf, die Firma, die Uni oder den Wohnort. Auf der linken Seite der Seite findest du weitere Filter, mit denen du deine Suche spezifizieren kannst
  • Diese Personensuche lässt sich mit Graph Tips noch erweitern. Über die Website kannst du beispielsweise Suchzeiträume festlegen oder dich bei der Suche nach Beiträgen auf bestimmte Nutzer:innen beschränken.
  • Über die Option Beiträge lassen sich Facebook-Beiträge und -Gruppen nach bestimmten Stichworten durchsuchen. Mithilfe von Filtern kannst du beispielsweise den Zeitraum einschränken
  • Beiträge auf Facebook lassen sich ändern. Allerdings kann man bei einem Beitrag auf die drei kleinen Punkte oben rechts klicken und einen Änderungsverlauf und frühere Versionen einsehen
  • Falls du den Verdacht hast, dass ein Facebook-Beitrag als Ganzes zurückdatiert wurde, fahre mit demCursor über das Uhrensymbol neben dem Beitrag: Dann wird das ursprüngliche Datum angezeigt

LinkedIn

  • LinkedIn bietet fantastische Suchfunktionen, die es erlauben, aktuelle und früheren Tätigkeiten einer Person einzusehen
  • Im Suchfeld lässt sich festlegen, ob man nach einer Person oder beispielsweise einer Firma suchen möchte. Zudem gibt es bei der erweiterten Suche weitere, nützliche Filter

Instagram

  • Die Suche auf Instagram ist etwas schwieriger, kann sich aber lohnen, besonders, wenn die gesuchte Person jünger oder das Thema für eine spezifische Bevölkerungs- oder (jüngere) Altersgruppe relevant ist
  • Besonders hilfreich ist hierbei Picuki. Die Website ermöglicht es, Instagrambilder zu kopieren und in voller Größe zu öffnen

Der Autor

Paul Myers ist leitender Berater für die BBC-Initiative Investigation Support. Er betreibt seit fast 20 Jahren Online-Recherchen an vorderster Front und bildet seit der Jahrhundertwende Kolleg:innen aus. Neben seiner Tätigkeit bei der BBC, hat Myers schon die UNDP, die Weltbank, den Guardian, CNN und viele andere Investigativteams bei ihren Recherchen unterstützt. Er betreibt die Website researchclinic.net.

Dieser Guide wurde übersetzt von Ute Eberle. Redaktion: Greta Linde