Die Laudatio hielt Hauke Friederichs. Foto: Sebastian Stahlke

“In den Konfliktgebieten ist Heckler & Koch so bekannt wie Daimler-Benz”, sagt Laudator Hauke Friederichs. Foto: Sebastian Stahlke

Von Philipp Kosak, DJS

Seit 13 Jahren wird die „Verschlossene Auster“ verliehen, in diesem Jahr erstmals an einen Waffenhersteller. Netzwerk recherche würdigt damit den bislang einzigartigen Umgang eines Unternehmens mit negativer Berichterstattung: Vertreter von Heckler & Koch haben im November 2013 beim Präsidenten des Militärischen Abschirmdienstes (MAD) vorgesprochen, nachdem Medien kritisch über die Firma und die Schwächen ihres Sturmgewehrs G36 berichtet hatten. Das Unternehmen soll den MAD gebeten haben, Informanten auffliegen zu lassen und kritische Berichterstattung zu unterbinden. Heckler & Koch bestreitet die Vorwürfe.

ZEIT-Autor Hauke Friederichs sagte in seiner Laudatio, mit dem Preis wolle Netzwerk Recherche ein Signal setzen gegen das Totschweigen und Vertuschen, für Transparenz und freie Medienberichterstattung.

„Dass Heckler & Koch ungern auf Fragen aller Art antwortet, sondern stattdessen lieber eine Anwaltskanzlei damit beauftragt, Journalisten abzubügeln und zu drohen, ist bekannt“, sagte Julia Stein, die neue Vorsitzende von netzwerk recherche, bei der Preisverleihung. „Die in der Rüstungsbranche übliche Pressefeindlichkeit hat Heckler & Koch nun aber durch das Vorsprechen bei einem Geheimdienst zu einer ganz neuen Qualität gebracht.“

Rund 650 Angestellte arbeiten bei Heckler & Koch in Oberndorf am Neckar. 2013 erzielte die Firma ein Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern von 36,3 Millionen Euro. Doch der Mittelständler sei keine kleine Nummer, der Waffen nur an Nato-Staaten liefere, sagte Friederichs. Auch Ägypten, Bahrain, Mexiko, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate stehen auf der Kundenliste.

„In den Konfliktgebieten dieser Welt ist Heckler & Koch so bekannt wie Daimler-Benz“, sagte Laudator Friederichs. Das Wappen des saudi-arabischen Grenzschutzes zeige sogar eine Waffe der Firma.

Heckler & Koch reagierte auf die Auszeichnung mit einem Brief. Geschäftsführer Andreas Heeschen weist darin die Vorwürfe der Jury zurück: „Ich möchte an dieser Stelle gerne noch einmal betonen, dass wir die Ausspähung von Journalisten durch den Militärischen Abschirmdienst (MAD) zu keinem Zeitpunkt diskutiert oder gefordert haben.“

Für Friederichs ist diese Antwort von Heckler & Koch keine Überraschung. Er schloss in seiner Laudatio: „Der Preis wird wohl in Oberndorf als weiterer Beleg für eine Schmutzkampagne gegen das Traditionsunternehmen gewertet.“