Merseburger wird ausgezeichnet für seine Augstein-Biografie und sein Lebenswerk

Der Buchautor und langjährige Fernsehreporter und TV-Korrespondent Peter Merseburger ist der diesjährige Preisträger des “Leuchtturms für besondere publizistische Leistungen”, den die Journalistenvereinigung netzwerk recherche e.V. einmal im Jahr vergibt. Merseburger erhält den Preis für seine Biografie über Rudolf Augstein, die im Herbst 2007 erschien, und für sein journalistisches Lebenswerk.

“Peter Merseburger ist ein akribischer Rechercheur und mutiger Publizist, der sich dem Zeitgeist nicht anpasst, sondern stets mit klugen Argumenten und interessanten Ideen den öffentlichen Diskurs belebt,” sagte Thomas Leif, 1. Vorsitzender von netzwerk recherche (nr). “Mit seiner schier unermüdlichen Schaffenskraft und analytischen Brillianz wirkt Merseburger als Vorbild für unabhängigen Qualitätsjournalismus.”

Merseburger, geboren am 9. Mai 1928, arbeitete ab 1956 für den Norddeutschen Rundfunk (NDR), wechselte 1960 zum Spiegel, für den er in Berlin und Brüssel recherchierte. 1965 kehrte er zum NDR zurück, wo er von 1967 bis 1975 das ARD-Politikmagazin Panorama moderierte und auch redaktionell leitete. 1969 wurde er im NDR zum Chefredakteur und Leiter der Hauptabteilung Zeitgeschehen ernannt. Als 1974 ein Panorama-Beitrag von Alice Schwarzer über das Thema Abtreibung nicht gezeigt werden durfte, boykottierte er die eigene Sendung und weigerte sich, sie zu moderieren.

Merseburger arbeitete nach der Devise “wachsam, kritisch – aber fair”, schrieb Franziska Augstein anlässlich seines 80. Geburtstages 2008. So habe er beispielsweise versucht, den Zuschauern zu vermitteln, dass die protestierenden Studenten der sechziger Jahre nicht bloß Krawallmacher waren, sondern wichtige Debatten anregten.

Nach seiner langen Karriere als Fernsehautor (neben seiner Arbeit für Panorama war er NDR-Korrespondent in Washington, Ostberlin und London) hat Merseburger sich im Ruhestand als Buchautor profiliert. Er schrieb von allen Seiten gelobte Biografien über die SPD-Politiker Kurt Schumacher und Willy Brandt sowie zuletzt über Rudolf Augstein, den Gründer, Verleger und Herausgeber des Spiegel. Merseburger war der erste Journalist, der Zugang zu Augsteins Nachlass erhielt ­ eine wichtige Voraussetzung für Tiefe, Authentizität und Ausgewogenheit, die sein Buch auszeichnen. “Er war stets Partei, nur nicht immer auf derselben Seite“, schrieb die FAZ über Augstein in einer Besprechung von Merseburgers Biografie. Ähnlich könnte man Merseburgers Haltung beschreiben.

Merseburger war in seinen Jahren als Autor und Moderator von Panorama stets Partei und als Autor links positioniert als Gegengewicht zum rechten ZDF-Moderator Gerhard Löwenthal. Die CDU forderte sogar, ihn vom Bildschirm zu nehmen. Er war “vielleicht der Streitbarste” unter den Panorama-Moderatoren der frühen Jahre, schrieb Hermann Rudolph, der ehemalige Chefredakteur des Berliner Tagesspiegel. Als Buchautor sei er kritisch geblieben, aber seine Kritik habe sich auf ein liberales Koordinatensystem “aus- und eingependelt”.

Merseburger arbeitete vier Jahre an seiner Augstein-Biografie. Er sprach mit einer Vielzahl von Personen aus Augsteins Verlag, Freundeskreis und Familie und verbrachte viele Stunden im Spiegel-Archiv. Dadurch konnte er Darstellungen in bereits erschienenen Biografien korrigieren. Augsteins Korrespondenz ermöglicht es Merseburger zudem, Augstein nahe zu kommen, ohne seine Distanz als Autor einer beschönigenden Darstellung zu opfern. Merseburger zeigt Augsteins Größe, ohne Fehler und Schwächen zu verschweigen oder kleinzureden.

Der mit 3000 Euro dotierte Journalistenpreis wird am Dienstag, 2.12.2008 zum Auftakt des Mainzer Medien Disputs in einer öffentlichen Veranstaltung im Südwestrundfunk in Mainz (Am Fort Gonsenheim) vergeben. Die Laudatio auf den Preisträger wird Hans Leyendecker, Leitender Redakteur bei der Süddeutsche Zeitung und 2. Vorsitzender von netzwerk recherche, halten.