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Leuchtturmpreisträger 2016: Can Dündar für die mutigen Recherchen seiner Zeitung sowie für seinen Kampf um die Pressefreiheit
Begründung: netzwerk recherche e.V.

Wenn wir in Deutschland von Pressefreiheit reden, dann reden wir über eine Selbstverständlichkeit. Für unsere Kollegen in der Türkei dagegen ist Pressefreiheit eine Hoffnung.

Es gibt nur noch wenige Journalisten in der Türkei, die es wagen, das zu berichten, was sie für geboten halten. Zu groß sind die Repressionen durch den Staat. Die Kollegen der Tageszeitung Cumhurriyet sind eine solche Ausnahme. Sie schreiben, was nicht in Ordnung ist im Staate des Präsidenten Erdogan.

Can Dündar, der Chefredakteur, muss womöglich einen hohen Preis dafür bezahlen. Ein Gericht in Istanbul hat ihn und den Hauptstadtkorrespondenten Erdem Gül zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Die Zeitung hatte über geheime Waffenlieferungen des türkischen Geheimdienstes an Islamisten in Syrien berichtet. Das wertete die türkische Justiz als Geheimnisverrat. Knapp sechs Jahre soll Dündar ins Gefängnis, Gül für fünf Jahre. Vor dem Gerichtsgebäude überlebte Can Dündar nur knapp einen Anschlag.

Cumhurriyet lässt sich nicht mundtot machen. Gerade eben hat sie auf Grundlage der Panama Papers berichtet: In diesen Unterlagen tauchen türkische Geschäftsleute auf, darunter auch solche, die Präsident Erdogan nahestehen. Es dauerte nicht lange, da klingelte das Telefon, einer dieser Geschäftsleute war wohl dran. Und wenn sich in der Türkei ein Erdogan-Nahestehender beschwert, dann klingt das so. „Ich werde euch bekämpfen. (…) Ihr Hurensöhne, macht keinen Killer aus mir.“

Das netzwerk recherche zeichnet Can Dündar, stellvertretend für seine Redaktion, mit dem „Leuchtturm für besondere publizistische Leistungen“ aus. Der Mut und die Standhaftigkeit des Chefredakteurs und seiner Kollegen verdienen größte Anerkennung. Can Dündar trotzt der politischen Repression, er hat keine Angst vor dem Gefängnis. Unter schwierigsten Umständen kämpft er für die Pressefreiheit.

Drei Monate saß Can Dündar bereits in Untersuchungshaft. Erst dann erklärte das türkische Verfassungsgericht seine Haft für rechtswidrig und ordnete seine Freilassung an. Noch ist das Urteil gegen ihn nicht rechtskräftig, noch ist er in Freiheit. Und so ist es möglich, dass er zu uns kommt.

Wir freuen uns sehr, dass Sie, lieber Can Dündar, den Leuchtturm persönlich entgegennehmen.

 

 

(ENGLISH VERSION)

 
Lighthouse-Award Ceremony

In Germany, when we‘re talking about freedom of the press, we’re talking about something that is self-evident, a matter of course. For our colleagues in Turkey however, freedom of the press is only a faint hope.
There are only a very small number of journalists left in turkey who are brave enough to report on what they see as necessary. Government oppression is simply too overwhelming. The colleagues of the Turkish daily Cumhurriyet are part of this exception, writing all about the practices of the Erdogan government.
Can Dündar, editor-in-chief of Cumhurriyet will likely pay a high price for this reporting. A court in Istanbul sentenced Dündar and Ankara-correspondent Erdem Gül to several years in prison. The newspaper had published a report containing evidence that the Turkish intelligence services supplied weapons to Islamists in Syria, which the Turkish courts deemed as revealing of state secrets. Dündar is to serve close to six years in prison, Gül is to serve five. Directly in front of the courthouse Dündar narrowly survived an attempt on his life.
Cumhurriyet is not allowing itself to be silenced however. Just recently, the newspaper reported on the Panama Papers: in these documents Turkish businessmen turn up—some even close to Erdogan. And sure enough, the telephone rang with one of these Turkish businessmen on the line. In Turkey, when an Erdogan crony complains, it usually goes along the lines of “I’m going to fight you. (…) you sons of bitches don’t want to make me into a killer.”
Netwerk Recherche is awarding Can Dündar, representing his staff back in Turkey, with the “Lighthouse Award for Distinguished Achievements in Publishing.” The courage and steadfastness of the editor-in-chief and his colleagues deserve the greatest appreciation. Can Dündar continues to defy political oppression, and isn’t afraid of imprisonment. Even in the most challenging of circumstances, Dündar has struggled relentlessly on for freedom of the press.
Can Dündar was detained for three months without trial before the Turkish constitutional court declared his detention unlawful and ordered his immediate release. As long as his sentencing remains idle, Dündar remains free. Thus has it been possible for him to join us here.
We are delighted that you, Mr. Dündar are able to accept the Lighthouse Award from us in person.