Laudatio von Prof. Dr. Rudolf Hickel

Laudatio zur Verleihung der Verschlossenen Auster 2009

Austerpreisträger: Bundesverband deutscher Banken
Laudator: Prof. Dr. Rudolf Hickel, Direktor des „Instituts Arbeit und Wirtschaft“ (IAW) an der Universität Bremen

 

1. Als Ökonom beginne ich mit einer Produktbeschreibung der verschlossenen Auster:

Die verschlossene Auster ist:

  • kein toxisches, also vergiftetes Produkt;
  • kein Bad- Produkt, vergleichbar einer Bad-Bank;
  • kein Derivat, also keine ursprüngliche Forderung, die mehrfach zu einem Wertpapier ohne Wert verpackt worden ist, um es zu verhökern;
  • auch kein Zertifikat, das einer Wette im Glückspiel gleicht.

Die verschlossen Auster zielt abgesehen vom geringen Materialwert vielmehr auf die Bewertung eines Dienstleistungsprodukts, allerdings ist das ein Bad-Good.

Im Mittelpunkt steht der Einsatz von Produktionsfaktoren zur Erzeugung der Dienstleistung „Informationsblockierung“, ja der gezielten Fehlinformation, der selektiven Informierung denkfauler, möglicherweise aber auch gefügiger Journalistinnen und Journalisten

2.
Der Kritik-Preis des Netzwerks Recherche, die verschlossene Auster, wird in diesem Jahr an den Bundsverband deutscher Banken (BdB) verliehen.

Die Jury verdient für die Auswahl des in diesem Jahr Preisgekrönten ein uneingeschränktes Kompliment.

Der Bundesverband deutscher Banken hat sich diesen Preis wahrhaft erarbeitet.

Gemessen an dem Kriterium der Jury, Honorierung für „Informationsblockierung“, hat der Bundesverband deutscher Banken die Ansprüche sogar übererfüllt. Denn nicht nur Informationsblockierung, sondern Fehlinformierung, Halbwahrheiten, lobbyistische Rechtfertigungen kennzeichnen die Öffentlichkeitsarbeit dieses Verbandes.

Dass der BdB diesen Preis auch ernst nimmt, wird dadurch sichtbar, dass Herr Prof. Dr. Axel Weber die verschlossene Auster persönlich entgegennehmen wird. Er ist:

„der Hauptgeschäftsführer und Mitglied des Vorstandes Bank- und finanzmarktpolitische Grundsatzfragen, Wirtschafts- und Währungspolitik, internationale Beziehungen, Öffentlichkeitsarbeit, Parlament.“

Herr Prof. Dr. Weber wird sicherlich die Chance nutzen, sich auf seine Weise für diesen Preis zu bedanken.

3.
Bevor die großen Leistungen bei der Informationsblockierung und auch der Verbreitung von Fehlinformationen laudiert werden, lohnt sich der Blick auf diesen Verband der Banken. Es handelt sich um den Zusammenschluss von großteils mächtigen Privatbanken.

Dabei sind:

  • Großbanken wie die Deutsche Bank und teilverstaatlichte Commerzbank;
  • Regionalbanken wie die vollverstaatlichte Hypo Real Estate, die BMW-Bank, auch die Hypotheken- Karstadt Bank AG; Privatbankiers wie die feine Adresse B. Metzler Institute mit Sonderaufgaben wie die IKB Auslandsbanken, wie die City Group und Lehman Brothers Bankhaus AG

Der Sprecher des Vorstands, Klaus- Peter Müller, der Verantwortung für die Commerzbank trägt, ist vor einiger Zeit abgelöst worden durch: Andreas Schmitz.

Zum Vorstand gehören auch Dr. Josef Ackermann, der den Preis für unerschütterliche Profitarroganz – selbst in derFinanzmarktkrise – verdient; sowie Martin Blessing von der teilverstaatlichen Commerzbank – Neu, der den Titel „Mit Ehrlichkeit zu einem Neuanfang“ verliehen bekommt.

4.
Wie prädestiniert der BdB für diesen Preis ist, ergibt sich aus der Beschreibung seiner informationellen Aufgaben:

  • Die Informierung richtet sich nach Innen. Unterrichtet werden die Verbandsmitglieder über „aktuelle politische und wirtschaftliche Entwicklung“. Übrigens ist nicht bekannt und deshalb wohl auch nicht anzunehmen, dass dieser Verband seine Mitglieder über die Krisen des Bankensystems und die Ursachen sowie den Vertrauensverlust ehrlich informiert hat.
    Warum macht sich der Bankenverband das Motto zu Eigen: Banker dürfen nur die Geschäfte betreiben, die sie verstehen und verantworten können.
  • Nach Außen steht die Einflussnahme im Vordergrund: „ ….Ansprechpartner für Parlament, Ministerien und Behörden in allen kreditwirtschaftlichen Fragestellungen zu sein ist ein weiterer wichtiger Bestandteil der Verbandsarbeit. Politiker und Beamte greifen für die sachgerechte Beurteilung kreditwirtschaftlicher Fragen regelmäßig auf das Expertenwissen des Bankenverbandes zurück.“
    Hier geht um Lobbyarbeit im Gesetzgebungsverfahren. Dazu gehört massiver Lobbyeinfluss auf die Deregulierung der Finanzmärkte, die zu einer schweren und folgenreichen Krise des Bankensystems geführt hat.
    Zuletzt habe ich persönlich den BdB bei der Anhörung beim Finanzausschuss des Deutschen Bundestags erleben dürfen: Harte Lobbyarbeit gegen die Austrocknung von Steueroasen.
    Die Informationspolitik wird maßgeblich durch diese Lobbyinteressen bestimmt.
  • Schließlich steht die Informierung der Medien, wie überhaupt der Öffentlichkeit auf der Agenda.
    Der Schlüsselsatz lautet:
    „Die Information der Öffentlichkeit über die Aufgaben und Tätigkeiten der privaten Banken bildet einen weiteren Schwerpunkt der Arbeit des Bankenverbandes. Es gilt, Informationslücken zu schließen, Missverständnisse auszuräumen und den vertrauensvollen Umgang miteinander zu fördern. Gerade die Banken mit ihren hochspezialisierten Finanzdienstleistungen sind von Fehleinschätzungen besonders betroffen.
    Der Bankenverband ist Ansprechpartner in allen bankspezifischen Fragen.“

Jenseits von Selbstkritik werden damit selbst produzierte Fehler zu Missverständnissen, mangelnde Befähigung zur Einsicht bei den Betroffenen, den Dritten gestempelt. Es geht also um informationelle Rechtfertigung, ja auch Propaganda wider die selbst erzeugten Fehlentwicklungen.

Übrigens, diese Verbandspolitik zur kritiklosen Rechtfertigung der wohlstandsstiftenden Privatbanken steht im Widerspruch zu der quasistaatlichen, hoheitlichen Funktion: der Einlagensicherungsfonds, den der damalige Bundeskanzler, Helmut Schmidt nach der Herstatt- Pleite 1974 durchgesetzt hatte.

Der BdB muss sich dem Widerspruch stellen: Soweit seine Mitglieder mit hochriskanten, abenteuerlichen Risikogeschäften das gesamte Bankensystem in die Krise stürzen, droht am Ende der Zugriff auf den staatlich erzwungen Einlagensicherungsfonds. Die Informationspolitik des BdB unter dem Regime der Finanzmarktkrise zeigt:

Der BdB verdient den Preis für Informationsblockierung und –vermeidung uneingeschränkt.

Dazu auch noch einige Beispiele:

4.1.
Die Deutung der Entstehung sowie der Ursachen dieser Finanzmarktkrise, die nicht mit der Weltwirtschaftskrise zu vergleichen ist, lenkt von den wahren Fehlleistungen auch der deutschen Privatgroßbanken ab.

Ursachen und Auslöser werden auf der Homepage kontrafaktisch auf Fehlentwicklungen in den USA und dort am Ende auf die expansive Geldpolitik der Notenbank sowie auf den politisch gewollten Zusammenbruch von Lehman Brothers am 15. 9 2008 zurückgeführt.

Diese Interpretation lenkt ab von den Alchimisten in den deutschen Banken, die glaubten, wenn ich einen Stein mit der Farbe Gold anmale, dann sei das echtes Gold.

Diese Finanzmarktkrise ist jedoch das Ergebnis einer langfristig angelegten Politik der Deregulierung der Finanzmärkte. Auslöser in Großbritannien war der „Bigbang“ im Oktober 1986, mit dem Regulierungen am Finanzplatz London aufgehoben worden sind.

In Deutschland sind unter dem massiven Druck dieses Bankenverbandes seit 2002 Deregulierungen durchgepeitscht worden (Handel mit Derivaten, Öffnung des Verbriefungsmarktes, Zulassen von Hedgefonds). Die Informationspolitik dient den Lobbyzielen.

4.2.
Die Banken haben unter Vernachlässigung eines seriösen Geschäftsmodells kurzfristig hoch rentierliche, jedoch riskante Finanzmarktprodukte kreiert. Teilhabe am Kasinokapitalismus, nicht die Unterstützung der ökonomischen Wertschöpfung stand im Vordergrund.

Wo bleibt die Kritik des BdB an dem noch durch hohe Bonuszahlungen beschleunigten Verkauf etwa von Zertifikaten, die etwa einer Rentnerin ausgeschwatzt worden sind?

4. 3.
Der BdB hat die Finanzkrise dazu missbraucht, die Schuld in Deutschland den staatlich verantworteten Landesbanken zuzuweisen. Sicherlich, die Geschäfte einiger Landesbanken, die über Zweckgesellschaften betrieben wurden, sind ein Skandal.

Aber diese Kritik darf nicht von schweren Fehlern der Privatbanken ablenken. Hier wird eine Marktbereinigungspolitik betrieben. Schließlich haben die Sparkassen und Genossenschaftsbanken solche Geschäfte nicht betrieben.

4.4.
Privatbanken haben ihre eigenen Kunden über die Risiken vieler Anlageinstrumente unzureichend, ja auch falsch informiert. Dafür müssten die Verbraucherzentralen den Preis der „faulen Tomaten“ an den BdB vergeben.

Immerhin gesteht der BdB mit den kürzlich vorgelegten „Leitlinien zur Stärkung des Anlagervertrauens im Retailgeschäft“ diese Fehlberatung ein.

Da heißt es beispielsweise: „Zentrale Vorgaben zur Organisation des Kundengeschäfts richten sich an den Bedürfnissen der Kunden aus“.

Im Umkehrschluss heißt das, dass bisher der bonigetriebene Verkauf von Anlageprodukten an den Kundeninteressen vorbei betrieben worden ist.

Also nicht die Gier der Kunden, sondern der Anlageberater bestimmt das Geschäft.

4.5.
Die Banken, die wegen ihrer toxischen Produkte auf der Aktivseite nur noch restriktiv Kredite vergeben, belasten viele kleine und mittlere Unternehmen. Bis heute gibt es keine klare Stellungnahme zu der durch die Bankenkrise ausgelösten Kreditklemme gegenüber den kleinen und mittleren Unternehmen.

4.6.
Die Banken haben die Krise, nach dem sie lange Zeit profitiert haben, verursacht. Erforderlich ist endlich dreierlei:

  • eine unmissverständlich Selbstkritik und ein Schuldeingeständnis;
  • die Übernahme der Verantwortung für diese Katastrophe, die jetzt die Realwirtschaft belastet;
  • vor allem aber ein klares Bekenntnis zur Aufstellung von Spielregeln mit dem Ziel, die Gier zu ersticken. Das Foul darf nicht die Spielregel bleiben.

Gebraucht werden „stinklangweilige Banken“ (Paul Krugman) mit dienender Funktion.

Wann und wo hat der BdB erklärt, dass etwa Leerkäufe zu verbieten sind und der Handel mit Forderungen an eine ausreichende Eigenkapitaldeckung zu binden ist?

Dieser Kritik-Preis richtet sich aber auch an die Journalistinnen und Journalisten, die sich mit welchen Motiven auch immer als gefügige Sprachrohre der Banken sowie des BdB haben missbrauchen lassen.

Ich wünsche mir, dass der SPIEGEL, der jahrelang die Globalisierung der Finanzmärkte arrogant gefordert hat, auch einmal seine schweren Irrtümer eingesteht.

Der Bundesverband deutscher Banken hat eine Chance, den Kritik-Preis, die verschlossene Auster aberkennt zu bekommen. Er muss – selbst einen verbindlichten Kodex der Banken für ein nachhaltiges Wirtschaften vorlegen und auf dessen Realisierung seine Informationspolitik ausrichten.

Verschlossene Auster 2018 für den Bürgermeister von Burladingen

Der Negativpreis “Verschlossene Auster” von Netzwerk Recherche für den Informationsblockierer des Jahres geht in diesem Jahr an den Bürgermeister von Burladingen in Baden-Württemberg. Der AfD-Politiker Harry Ebert erhält die Auszeichnung für seinen selbstherrlichen und respektlosen Umgang mit der örtlichen Presse.

Weil Harry Ebert die Berichterstattung der Lokaljournalisten nicht gefiel, überzog er sie mit einem regelrechten Strafkatalog: Er verweigerte sich Interviews, ließ Anfragen unbeantwortet und wies städtische Mitarbeiter an, nicht mit der Presse zu sprechen. Er ließ im Amtsblatt der Stadt gegen die örtlichen Journalisten wettern und drohte mit dem Entzug von Abonnements, falls eine unliebsame Reporterin nicht abgezogen werde. Weiterlesen

Verschlossene Auster 2017 für die Regenbogenpresse

Die Verschlossene Auster, der Negativpreis von netzwerk recherche für den Informationsblockierer des Jahres, geht 2017 an drei Verlage der Regenbogenpresse. Ausgezeichnet werden die Funke Mediengruppe (für die Magazine „Die Aktuelle, „Das Goldene Blatt“, „Frau aktuell“), die Hubert Burda Media Holding (für die „Freizeit Revue“) und die Bauer Media Group (für „Das Neue Blatt“, „Freizeitwoche“, „Neue Post“, „Das Neue“). Sie erhalten den Preis auch stellvertretend für die übrigen Verlage der Branche.

Nach Ansicht von netzwerk recherche untergraben die Preisträger das Vertrauen in die Glaubwürdigkeit der Medien: Mit irreführenden Schlagzeilen, falschen oder erfundenen Texten, fehlender Nachfrage bei den Betroffenen, Manipulationen von Fotos und nicht selten der Verletzung von Persönlichkeitsrechten. Die Bereitschaft zur freiwilligen Korrektur von falscher Berichterstattung fehlt häufig.

Mit der Auszeichnung wird auch gewürdigt, dass die Verlage nur äußerst ungern Auskunft geben zu Form, Machart und Inhalt ihrer Magazine. Auf Anfragen von netzwerk recherche haben sie wochenlang nicht geantwortet. Erst wenige Tage vor der Preisverleihung am 10. Juni reagierten sie schriftlich. Ihre Stellungnahmen werden auf der Webseite von netzwerk recherche veröffentlicht. Eine Teilnahme an der Preisverleihung lehnten alle drei Verlage ab.

Die Antworten der „ausgezeichneten“ Verlage:


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Stellungnahme der Bauer Media Group

Stellungnahme der Bauer Media Group zur Verschlossene Auster 2017:

Rund 15 Millionen Deutsche lesen Woche für Woche Yellow-Titel. Leserinnen und Leser machen dieses Segment somit zu einem der größten und erfolgreichsten im Land.
Wir nehmen unsere Leserinnen und Leser ernst, verstehen ihre Wünsche und bedienen professionell ihre Bedürfnisse nach gut gemachter Unterhaltung.
Diese Form des unterhaltenden Journalismus als besonders kritikwürdig einzustufen und sich damit über Abertausende von Kolleginnen und Kollegen sowie Millionen von Leserinnen und Lesern zu erheben, empfinden wir als anmaßend.

Stellungnahme der Funke Mediengruppe

Stellungnahme der Funke Mediengruppe zur Verschlossene Auster 2017:

Den Negativ-Preis “Verschlossene Auster” nehmen wir nicht gerne, aber mit Respekt für Ihre Entscheidung entgegen.

Sogenannte Yellows decken unserer Überzeugung nach ein weit verbreitetes gesellschaftliches Bedürfnis ab. Die Nachfrage nach diesen Titeln zeigt das sehr deutlich: Menschen interessieren sich immer für Menschen. Yellows sind ein wichtiger Bestandteil unserer vielfältigen Presselandschaft. Wir richten die Themen entsprechend der Erwartungen unserer Leserinnen und Leser aus. Es ist für uns aber auch selbstverständlich, dass dieser primär unterhaltende Journalismus geltenden rechtlichen und natürlich auch ethischen Maßstäben entsprechen muss.

Wir stellen uns gerne der sachlichen Debatte zu diesem Thema. In einer Diskussion, deren Ausgang von Vornherein festzustehen scheint, sehen wir allerdings, wie wir Ihnen bereits Mitte Mai telefonisch signalisiert haben, wenig Sinn. Nach einer Möglichkeit, einen offenen und inhaltlich differenzierten Dialog über die Bedeutung des unterhaltenden Journalismus, seine Praktiken und seine Wirkungen zu führen, sollten wir gemeinsam suchen.

Stellungnahme der Hubert Burda Media Holding

Stellungnahme der Hubert Burda Media Holding zur Verschlossene Auster 2017:

Gegenüber Freizeit Revue wurden in der jüngeren Vergangenheit keine Beschwerden vom Deutschen Presserat ausgesprochen. Auch unter dem Aspekt „Wahrheitsschutz“ ist nicht ersichtlich, weshalb Freizeit Revue in den Verdacht unzutreffender Berichterstattung oder unzulänglicher Recherche geraten ist. In jüngerer Vergangenheit mussten weder Gegendarstellungen gedruckt, noch Richtigstellungen veröffentlicht werden. Ebenso weisen wir den Vorwurf der Manipulation von Bildmaterial zurück.

Sofern von der Berichterstattung betroffene Personen der Auffassung sind, bestimmte Veröffentlichungen würden ihre Persönlichkeitsrechte verletzen, so artikulieren sie sich in der Regel über ihre Rechtsvertreter und lassen ihre Ansprüche dort formulieren. Die erhobenen Ansprüche werden von der Redaktion und dem presserechtlichen Hausjustitiariat anschließend geprüft und – sofern die Einwände berechtigt sind – befriedigt. Soweit eine Verletzung der „Privatsphäre“ geltend gemacht wird, prüfen die Verantwortlichen dabei äußerst genau, ob Aspekte des überwiegenden öffentlichen Interesses Vorrang genießen. Dass die in der Abwägung zu setzenden Schwerpunkte angesichts der unterschiedlichen Interessenlage der Betroffenen einerseits und den Medien andererseits, mitunter abweichend beurteilt werden, liegt in der Natur der Sache.

Begründung zur Vergabe der Verschlossene Auster 2017

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich möchte Sie darüber informieren, dass der Vorstand von netzwerk recherche am Wochenende beschlossen hat, mit dem jährlich verliehenen Negativ-Preis “Verschlossene Auster” in diesem Jahr Redaktionen und Verlage zu würdigen, die für die Inhalte der sogenannten “Regenbogenpresse” verantwortlich sind.

Der Preis geht deshalb (stellvertretend auch für die anderen Verlage und Redaktionen, die in diesem Medienbereich aktiv sind) an

  • die Funke Mediengruppe (für die Magazine “Die Aktuelle”, “Das goldene Blatt”, “Frau aktuell”)
  • die Hubert Burda Media Holding (für das Magazin “Freizeit Revue”)
  • die Bauer Media Group (für die Magazine “Das neue Blatt”, “Freizeitwoche”, “Neue Post”, “Das Neue”).

Mit diesem Preis soll eine breite Öffentlichkeit auf diese u.E. sehr zweifelhafte und umstrittene Form des “Journalismus” hingewiesen werden, der offenbar das Geschäftsmodell dieser Magazine darstellt – u.a. mit irreführenden Schlagzeilen auf dem Cover, immer mal wieder falschen oder erfundenen Beiträgen im Innenteil, nicht selten Verletzung von Persönlichkeitsrechten, Manipulationen von Fotos, fehlender Nachfrage bei “Betroffenen”, keiner Bereitschaft zur freiwilligen Korrektur bei falscher Berichterstattung.

Die Folgen dieser Art des “Journalismus” sind bekannt: Hohe Verkaufszahlen am Kiosk für Ihre Blätter. Aber eben auch regelmäßige Beschwerden beim Presserat, gerichtlich erzwungene Gegendarstellungen, wütende und berechtigte Proteste von Personen, die Gegenstand der Berichterstattung sind. Weiterlesen

Verschlossene Auster: “Behörden Spiegel” geht ins Rennen

Die Verschlossene Auster, der nr-Preis für den Informationsblockierer des Jahres, ist auch 2015 heiß begehrt – sogar in Medienkreisen: Die Zeitung “Behörden Spiegel” hat sich in den vergangenen Tagen mächtig ins Zeug gelegt, um sich als Kandidat zu qualifizieren. Sie verweigerte den Kollegen von Netzpolitik.org die Akkreditierung zum von ihr organisierten “Europäischen Polizeikongress”. Die Begründung: Das Pressekontingent sei “mittlerweile ausgebucht”. Doch das war offenbar gelogen: Journalisten, die sich danach um die Akkreditierung bemühten, erhielten sie ohne Probleme. Von uns darauf angesprochen, verwies uns ein Mitarbeiter des “Behörden Spiegel” auf eine Erklärung, die jedoch keine unserer Fragen beantwortete. Die Ablehnung gegenüber Netzpolitik.org blieb bestehen – offenbar wollte man die kritischen Journalisten von Netzpolitik.org nicht dabeihaben beim Europäischen Polizeikongress. Das findet anscheinend sogar das Innenministerium blöd – und das kennt sich nun wirklich aus mit Info-Blockaden, als zweifacher Auster-Preisträger. Vielleicht will das Ministerium aber auch einfach mal anderen den Vortritt lassen.

Die Auster geht auf Tournee

Die „Verschlossene Auster“ in der Ausstellung „Unter Druck! Medien und Politik“. Foto: Teena Ihmels

Die „Verschlossene Auster“ in der Ausstellung „Unter Druck! Medien und Politik“. Foto: Teena Ihmels

Die Verschlossene Auster, der Negativpreis von netzwerk recherche für den Informationsblockierer des Jahres, ist eines der Exponate der soeben eröffneten Ausstellung “Unter Druck! Medien und Politik”. Sie wird bis 9. August 2015 im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig zu sehen sein, anschließend im Haus der Geschichte in Bonn.

Hintergrund ist die Verleihung der Auster 2013 an den damaligen Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich. Er hatte sich zunächst geweigert, den Journalisten Daniel Drepper und Niklas Schenck Auskunft über die Medaillen-Zielvorgaben für die Olympischen Spiele zu geben. Durch eine Klage gelang es den Kollegen, das Ministerium zur Auskunft zu zwingen. Für ihre Hartnäckigkeit wurden sie mit dem Wächterpreis belohnt. netzwerk recherche hatte die Recherchen mit einem Stipendium unterstützt. Weiterlesen

„Verschlossene Auster“ 2010 geht an die Katholische Kirche

Bischofskonferenz nimmt die Auszeichnung für die Informationsblockaden der Kirche entgegen

Es wurde vertuscht, verleugnet und verheimlicht: Die Verschlossene Auster, der Kritik-Preis der Journalistenvereinigung netzwerks necherche e.V. (nr) für den “Informationsblockierer des Jahres”, geht 2010 an die Katholische Kirche für ihren Umgang mit dem Missbrauchsskandal. Stellvertretend für sie nimmt Matthias Kopp, Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, den Preis entgegen. Weiterlesen

„Verschlossene Auster“ 2008 an das IOC

Negativ-Preis geht in diesem Jahr an das Internationale Olympische Komitee – und stellvertretend an seinen Vizepräsidenten Thomas Bach

Hamburg/Wiesbaden. Die Verschlossene Auster, der Kritik-Preis des Netzwerks Recherche für den „Informationsblockierer des Jahres“, geht 2008 an das Internationale Olympische Komitee (IOC) und stellvertretend an Thomas Bach, den langjährigen Vizepräsidenten des IOC. Das IOC duldet seit vielen Jahren Korruption und Interessenskonflikte bei der Vergabe der Spiele. Es versucht sich zu reformieren, aber tut zu wenig, um Hinweisen und Indizien für solche Vorfälle nachzugehen und sie aufzuklären. Genehme Journalisten werden von einzelnen Verantwortlichen bevorzugt bedient. Weiterlesen

„Verschlossene Auster“ 2005 an Gerhard Mayer-Vorfelder

DFB-Präsident erhält „Auszeichnung“ des Netzwerks Recherche für seine restriktive Informationspolitik

Die „Verschlossene Auster“, der Kritik-Preis der Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche für Info-Blocker, geht in diesem Jahr an den Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Gerhard Mayer-Vorfelder. Er erhält den Preis für seine restriktive Informationspolitik bei der Bundestrainer-Suche und der DFB-Schiedsrichteraffäre sowie für seine sachlich unbegründete Klagefreudigkeit gegenüber dem Südwestrundfunk (SWR). Der Sender hatte sich in einer Satire mit dem Multifunktionär beschäftigt. Weiterlesen