Benjamin Brumm: Das System hinter der 24-Stunden-Pflege

veröffentlicht von Maria-Mercedes Hering | 6. Mai 2026 | Lesezeit ca. 2 Min.

Therese Ruoff (rechts) aus Hegne hat für ihre Mutter Elfride Stolz (links) eine häusliche Pflegekraft gesucht. Dabei bemerkte sie, dass Kräfte wie Natalia aus Polen systematisch ausgebeutet werden.

Für sein Fellowship Lokale Recherche hat Südkurier-Redakteur Benjamin Brumm sich mehrere Monate mit der schwer durchschaubaren Branche der sogenannten 24-Stunden-Pflege beschäftigt. Er hat dafür mit Familien gesprochen, die darauf setzen – und mit den Frauen, die das System am Laufen halten. Bei seiner Recherche erhielt Benjamin Brumm Einsicht in unmoralische bis rechtswidrige Praktiken und konfrontierte Vermittlungsagenturen und Politik mit seinen Ergebnissen. Und er fragte, wie die sogenannte Live-in-Betreuung auch fair organisiert werden könnte.

In seinem Text „Das System 24-Stunden-Pflege: Familie zahlt viel Geld, doch bei der Pflegerin kommt kaum etwas an“ zeichnet Benjamin Brumm den Weg einer Frau und ihrer dementen Mutter nach. In den drei Jahren, in denen die Mutter von Betreuer:innen aus Osteuropa zuhause versorgt wird, erfährt die Familie, wie die ausbeuterische Struktur funktioniert – und wie wenig die Pflegekräfte selbst vom Lohn ihrer harten Arbeit sehen.

In einem weiteren Artikel ist Benjamin Brumm noch tiefer in das System Live-in-Betreuung eingestiegen: Er zeigt, wie das Geschäft der Vermittlungsagenturen funktioniert – und was passiert, wenn Familien oder Betreuer:innen sich gegen ausbeuterische Bedingungen wehren. Und er erklärt, warum eine politische Lösung schon lange auf sich warten lässt.

Schließlich kommen auch zwei Betreuerinnen selbst zu Wort. Sie sprechen über den herausfordernden Alltag in ihrem Beruf: darüber, dass ständige Verfügbarkeit erwartet wird und es viel mehr Aufgaben gibt, als sie in den bezahlten Stunden leisten könnten. Dass sie sich vor Übergriffen durch betreute Menschen schützen müssen und oft Vorurteile und Misstrauen gegen sie vorherrschen. Benjamin Brumm zeigt: Es ist ein System ohne Schutz für die Pflegekräfte.

Die Recherche war Teil des Fellowships Lokale Recherche. Das Programm richtet sich an Lokaljournalist:innen und bietet die Möglichkeit, sich gezielt in investigativer Recherche weiterzubilden und ein eigenes Rechercheprojekt umzusetzen.

Die Artikel sind zwischen dem 28. April und dem 7. Mai im Südkurier erschienen.

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