Stellungnahme des IOC

veröffentlicht von Netzwerk Recherche | 22. Oktober 2014 | Lesezeit ca. 4 Min.

Stellungnahme des IOC zur Verleihung Verschlossene Auster 2008

Wie würden Sie folgenden Vorgang kommentieren:
Ein Mitglied des IOC erhält eine Benachrichtigung über eine Preisverleihung. Eine Begründung wird nicht übermittelt; allerdings wird ihm großzügig das Recht zur Gegenrede auf eine ihm nicht bekannte Rede eingeräumt. Auf Nachfrage wird dann mitgeteilt, der Preis sei gar nicht dem IOC-Mitglied persönlich zugedacht, sondern es sollte ihn stellvertretend für dieses entgegenehmen. Gleichzeitig wird die umgehende Übermittlung der Begründung zugesagt. Dann trifft eine Begründung ein, die in Klammern gesetzte Leerstellen enthält. Es darf sicherlich gefragt worden: Ist das ein transparentes und faires Verfahren?
Etwas mehr Recherche wäre sicherlich der Objektivität der Begründung zuträglich gewesen. Diese ist teilweise grotesk. Sie ist nicht sehr solide recherchiert, und sie greift auf Ereignisse zurück, die auch für einen solchen Preis eigentlich verjährt sein müssten. In dem bislang übermittelten Text wird angegeben, das IOC dulde seit vielen Jahren
Korruption und Interessenskonflikte bei der Vergabe der Olympischen Spiele. Fakt ist allerdings, dass der offensichtlich gemeinte Korruptionsskandal um die Vergabe der
Olympischen Winterspiele 2002 bereits im Jahre 1999 aufgedeckt und vom IOC umfassend aufgeklärt und sanktioniert worden ist. So wurden z.B. Mitglieder ausgeschlossen, die Vergaberegeln reformiert, Besuche von IOC-Mitgliedern in Kandidatenstädten untersagt, ein Ethik-Code verabschiedet und eine unabhängige Ethik-Kommission eingerichtet. Diese unabhängige Ethik-Kommission ist im Übrigen nach den entsprechenden detaillierten Regeln für die Behandlung von potentiellen oder tatsächlichen Interessenskonflikten zuständig. Alle diese Reformen wie die Änderung des Wahlverfahrens für IOC-Mitglieder, die Aufnahme von frei gewählten Vertretern der Athleten, sind wie viele weitere vom jetzigen Präsidenten des IOC, Jacques Rogge, mit seinem jetzigen Vizepräsidenten, Thomas Bach, in enger Abstimmung betrieben worden. Dies gilt auch für dieNull-Toleranz-Politik des IOC im Kampf gegen Doping.
Bereits eine einfache Recherche hätte genügt, um festzustellen, dass Thomas Bach zwischen seinem Beruf und seinen Ehrenämtern im Sport einwandfrei trennt. So hat dies auch die unabhängige IOC Ethik-Kommission in einem veröffentlichten Statement mit großer Klarheit festgestellt. Thomas Bach hat in vielen Interviews diese Fragen umfassend und detailliert beantwortet.
Im Hinblick auf die bevorstehenden Olympischen Spiele in Peking hat sich der IOC-Präsident bei einem Besuch in China ebenso deutlich zu den Menschenrechten bekannt, wie er dies in seinen Gesprächen mit der chinesischen Führung immer wieder getan hat. Dazu zählt auch die Meinungsfreiheit. Wenn in diesem Zusammenhang in der Begründung behauptet wird, es sei unklar, ob Athleten in den Olympischen Sportstätten gegenüber Journalisten ihre Meinung sagen dürften, so ist dies falsch.
In den entsprechenden Richtlinien des IOC, in Stellungnahmen des IOC, in Interviews des IOC-Präsidenten und von IOC-Mitgliedern, in Erklärungen der IOC-Athletenkommission, um nur einige öffentlich zugängliche Quellen zu nennen, ist genau dieser Punkt eindeutig geregelt: Ja, jeder Sportler darf sich in Interviews auch in den Olympischen Sportstätten frei äußern. Die Richtlinien des IOC sagen wörtlich: “Die Teilnehmer der Olympischen Spiele werden bei den Olympischen Spielen unter Einhaltung der Olympischen Charta eine Vielzahl an Möglichkeiten haben, ihre Meinung frei zu äußern, beispielsweise durch Interviews in olympischen Presse- und Fernsehzentren oder in Mixed Zones, durch Stellungnahmen sowie Diskussionen mit anderen Athleten, Offiziellen und weiteren Personen – um nur einige Möglichkeiten zu nennen.“
Alle diese Sachverhalte ergeben sich aus öffentlich zugänglichen Quellen. Stattdessen gibt es leider Journalisten, zum Glück nur vereinzelt, die eine selektive Wahrnehmung geradezu pflegen. Einer von diesen meinte einmal: Um sich ein Bild von Thomas Bach zu machen oder Sachverhalte im Zusammenhang mit ihm zu beurteilen, müsse er nicht mit ihm reden.
Der Jury steht es durchaus frei, diese Schilderung als Anregung für die Suche nach künftigen Preisträgern zu verstehen. Es wurde dem IOC mitgeteilt, man müsse sich die „Verschlossene Auster“ durch eine Gegenrede „verdienen“. Deshalb bittet das IOC um Verständnis dafür, dass es diese Stellungnahme nicht als eine solche Gegenrede verstanden wissen will. Das IOC fühlt sich auch weiterhin seiner offenen Informationspolitik verpflichtet.
gez. Internationales Olympisches Komitee

Stellungnahme des IOC zur Verleihung der verschlossenen Auster (PDF; 2 S., 11 KB)

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