netzwerk recherche verleiht Leuchtturm-Preis an Reporterpool von NDR Info – Laudator Georg Mascolo: „Nachrichten machen, statt ihnen hinterherzulaufen“

Die Journalistenvereinigung netzwerk recherche e.V. hat den Reporterpool von NDR Info mit dem „Leuchtturm für besondere publizistische Leistungen“ ausgezeichnet. Bei der Verleihung des Preises in Berlin würdigte Laudator Georg Mascolo, Chefredakteur des Nachrichtenmagazins Der Spiegel und Gründungsmitglied von netzwerk recherche, die herausragenden Rechercheleistungen des Reporter-Teams: „Als Hörer des Programms war ich häufig gefesselt von diesen Geschichten. Als Chefredakteur habe ich mehr als einmal gedacht: Warum haben wir das eigentlich nicht?“

Der Norddeutschen Rundfunk habe Mut und Weitblick besessen, etwas Ungewöhnliches zu wagen: „Journalisten einfach machen zu lassen, ohne sie per Organigramm und Stellenausschreibung in ein von Redaktionsmanagern erdachtes Format zu pressen. Herausgekommen sind übrigens mehr – vor allem aber: bessere Beiträge. Wenn es doch nur immer so vernünftig im öffentlich-rechtlichen System zugehen würde.“

Gleichzeitig ermahnte Mascolo den Berufsstand: „Ein Reporterpool wie jener des NDR gehörte bislang in diesem Land nicht automatisch zu den Favoriten einer Auszeichnung wie dem Leuchtturm.“ Der Erfolg der Preisträger erinnere die Journalisten an ihre ureigenste Aufgabe: „Der Journalist muss neugierig, er muss gründlich und ehrgeizig sein. Er darf die wahre Aufgabe seines Berufes nicht vernachlässigen – und das ist, den Dingen auf den Grund zu gehen. Wir bekommen unser Geld für unsere Neugierde.“
Nicht immer sei Zeitnot der Grund für mangelnde Recherche – oft sei es auch nur Bequemlichkeit, so Mascolo. „Die Suche nach Unbekanntem, die Aufklärung eines Sachverhaltes, die nötige Distanz und Skepsis braucht es immer. Ich nenne das Recherche. Ohne diese Leidenschaft, den Wunsch Nachrichten zu machen anstatt ihnen hinterherzulaufen, geht es nicht. Nur wer sich für den mühsamen Weg entscheidet, wird dafür auch belohnt. Er wird zum Anlaufpunkt für Informanten, zum Empfänger brisanter Unterlagen.“
Der Vorsitzende von netzwerk recherche, Prof. Dr. Thomas Leif, überreichte dem Team den mit 3000 Euro dotierten Preis. Die 14 Mitglieder des Reporterpools waren geschlossen zur Preisverleihung gekommen, an ihrer Seite Claudia Spiewak, Chefredakteurin des NDR-Hörfunks, und Jens Peter Marquardt, Leiter der Programmgruppe Politik und Aktuelles.
Pool-Mitglied Ilka Steinhausen bedankte sich im Namen des Teams: „In Zeiten, in denen überall gespart wird, ist es nicht selbstverständlich, dass ein Reporter-Team Zeit und kreativen Raum für intensive Recherche bekommt – deswegen freuen wir uns sehr über den Preis. Dass sich der NDR das leistet ist gut für die Qualität im öffentlich-rechtlichen Rundfunk und den Journalismus insgesamt.“
Dem Reporterpool gehören sieben festangestellte Redakteurinnen und Redakteure an – Arne Meyer, Joachim Hagen, Stefan Schölermann, Carsten Vick, Ilka Steinhausen, Jürgen Webermann und Christoph Heinzle – sowie mehrere fest-freie Mitarbeiter – derzeit Sofie Donges, Benjamin Großkopff, Peter Hornung, Jan-Peter Reschke, Jörg Pfuhl, Nicolai Kwasniewski und Kersten Mügge.
Der „Leuchtturm“ von netzwerk recherche wurde zum achten Mal vergeben. In den vergangenen Jahren wurden Peter Merseburger (2008), Andrea Röpke, Anton Maegerle und Thomas Kuban (2007), Hans-Joachim Seppelt (2006), Ingolf Gritschneder und Georg Wellmann sowie Stefan Niggemeier und Christoph Schultheis (2005), Volker Lilienthal (2004), Jürgen Dahlkamp (2003) und Christoph Lütgert (2002) ausgezeichnet. Mit der Auszeichnung würdigt der Verein einmal jährlich außergewöhnliche Recherche-Leistungen, die Themen und Konflikte beleuchten, die in der Öffentlichkeit bislang nicht oder nicht ausreichend wahrgenommen wurden.