Ausgezeichnet wird die WDR-Story “Milliarden-Monopoly” und die kontinuierliche kritische Beobachtung der Bild-Zeitung

Die Fernsehjournalisten Ingolf Gritschneder und Georg Wellmann sind die Preisträger des „Leuchtturms für besondere publizistische Leistungen“ 2005, den die Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche einmal im Jahr vergibt. Sie erhalten den Preis für ihre Dokumentation „Milliarden-Monopoly – Die verschwiegenen Geschäfte der Oppenheim-Esch-Holding“, die am 04.07.2005 in der WDR-Sendereihe „Die Story“ gezeigt wurde.

„Netzwerk Recherche würdigt mit dem „Leuchtturm“ eine erstklassige Fernsehdokumentation. Den Autoren ist es gelungen, die Mauer des Schweigens im Kölner Korruptions-Kartell einzureißen und die Strippenzieher zu enttarnen. Damit haben Ingolf Gritschneder und Georg Wellmann bewiesen, dass kritischer Wirtschaftsjournalismus wichtig und wirksam ist,“ so der Vorsitzende der Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche, Dr. Thomas Leif.

In ihrer Dokumentation gingen Ingolf Gritschneder und Georg Wellmann den verschwiegenen Geschäften der Oppenheim-Esch-Holding in Köln nach und zeigten, mit welchen Methoden jahrelang milliardenschwere Deals mit der Kommune eingefädelt wurden. Ein System, von dem Kritiker behaupten, dass es den Investoren konkurrenzlose Renditen auf Kosten des Steuerzahlers ermöglichte – nicht zuletzt durch enge Verflechtungen auch mit den Spitzen der Politik. Der Film löste eine intensive Diskussion aus, in deren Mittelpunkt die Frage stand, warum die Stadt Köln den millionenschweren Auftrag für den Bau neuer Messehallen ohne europaweite Ausschreibung an den Oppenheim-Esch-Fonds vergab. Die Autoren rechneten vor, dass die Stadt 360 Millionen Euro hätte sparen können, wenn sie die Messeerweiterung durch Kommunalkredite selbst finanziert hätte, statt sich auf den Miet-Deal mit Oppenheim-Esch einzulassen. Nach der Ausstrahlung des Films ermittelt nun auch die Kölner Staatsanwaltschaft gegen den Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma und „weitere Personen“ wegen Untreue. Der Grund: Aus der WDR-Dokumentation hätte sich der Verdacht ergeben, dass die Verantwortlichen der Stadt den Steuerzahlern erheblich geschadet hätten.

Zur Begründung für die Auswahl der Preisträger sagte der Vorsitzende des Netzwerk Recherche, Thomas Leif, weiter: „Mit ihrer ebenso spannenden wie fundierten Dokumentation „Milliarden-Monopoly“ haben Ingolf Gritschneder und Georg Wellmann gezeigt, dass journalistische Tiefenbohrungen mit Ausdauer und Präzision zu Korrekturen von Fehlentwicklungen führen können.“ Beide Autoren zeichneten sich seit vielen Jahren durch ihre Recherchen im Dunkelfeld der Korruption aus und hätten auch bei ihrer Berichterstattung zum Kölner Müllskandal investigatives Handwerk, sorgfältige Quellenpflege und journalistische Ausdauer bewiesen. „Ingolf Gritschneder und Georg Wellmann zeigen, was eine auf gründlichen Recherchen basierende Berichterstattung im Lokalen und Regionalen zu leisten vermag und treten damit einem bedenklichen Trend entgegen, der Regionalisierung mit Banalisierung gleichsetzt“, so Thomas Leif.

Der mit 3000 Euro dotierte Journalistenpreis wird am Donnerstag, den 10.11.2005, im Rahmen des 10. Mainzer Medien-Disputs vergeben. Zu dem Medienkongress im ZDF-Konferenzzentrum haben sich bislang mehr als 600 Teilnehmer angemeldet. Die Laudatio auf die Preisträger wird der Frankfurter Oberstaatsanwalt und anerkannte Korruptionsermittler Wolfgang J. Schaupensteiner halten. Der „Leuchtturm“ des Netzwerk Recherche wird zum vierten Mal verliehen. Im vergangenen Jahr erhielt ihn der Ressort-Leiter des Fachmagazins „epd medien“, Volker Lilienthal, für seine nachhaltigen Recherchen zur Schleichwerbung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen.

2005 vergibt das Netzwerk Recherche im Rahmen der Leuchtturm-Verleihung in Mainz erstmals einen Sonderpreis für besondere publizistische Leistungen. Er geht an BILDblog.de. Die Erfinder und Macher von BILDblog, Stefan Niggemeier und Christoph Schultheis, erhalten den mit 1000 Euro dotierten Preis für ihren „Watchblog“, in dem sie die Arbeit der BILD-Zeitung kontinuierlich kritisch beobachten, analysieren und kommentieren. „BILDblog zeigt, was eine unabhängige Medienkritik auf der Basis von verlässlichen Gegen-Recherchen zu leisten vermag. BILDblog deckt Fehler von Europas größter Boulevard-Zeitung auf, gibt BILD-Opfern eine Stimme und sorgt mit dieser Form seriöser Aufklärung für ein Stück unverzichtbarer Informations-Hygiene,“ so der Vorsitzende des Netzwerk Recherche, Thomas Leif.

Die Preisverleihung des „Leuchtturms“ wird unterstützt von „kontext – Gesellschaft zur Förderung junger Journalisten. Eine Initiative der E.ON Ruhrgas AG“.