Vor den Landtagswahlen: Tipps für Lokaljournalist:innen aus der Praxis

veröffentlicht von Maria-Mercedes Hering | 5. März 2026 | Lesezeit ca. 3 Min.

Unter dem Motto „Wie macht ihr das eigentlich?“ hat der Support Desk Lokale Recherche von Netzwerk Recherche eine neue Gesprächsreihe ins Leben gerufen. Zum Auftakt kamen mehr als 40 Lokaljournalist:innen aus ganz Deutschland zusammen und sprachen darüber, wie sie über Landtagswahlen und die Rolle der AfD berichten. Mit dabei waren auch Antonie Rietzschel von der Leipziger Volkszeitung und Alexander Roth vom Zeitungsverlag Waiblingen. 

Schnell wurde bei dem Zoom-Gespräch klar: Viele Lokaljournalist:innen treibt das Thema täglich um. Nicht nur erleben sie Desinformation und Anfeindungen im journalistischen Alltag. Manche werden Zielscheibe von verbalen und körperlichen Attacken, sorgen sich auch wegen ihrer Migrationsgeschichte oder ihrer Sichtbarkeit in den Medien um ihre Sicherheit. 

Auch wenn es keine einfachen Lösungen für all diese Herausforderungen gibt, können Empathie und Anteilnahme helfen. Darüber hinaus teilten Lokaljournalist:innen ihre Erfahrungen und gaben Tipps, wie sie vor Ort berichten, Live-Veranstaltungen bewältigen und mit der Belastung umgehen:

  • Gute Berichterstattung lebt von Vielfalt: Divers besetzte Redaktionsteams haben Einblick in verschiedene Bereiche, behalten mehr Perspektiven im Blick. Gerade die Stimmen von Journalist:innen mit Migrationsgeschichte müssen hier gehört werden.
  • Recherchen nicht vernachlässigen: Auch im Lokalen sollten Redaktionen nicht nur auf Ereignisse wie Wahlkampfveranstaltungen reagieren, sondern selbst Themen und Schwerpunkte setzen.
  • Leitlinien festlegen: Viele Redaktionen tun sich schwer damit, Leitlinien zum Umgang mit der AfD in der Wahlberichterstattung zu erarbeiten. Hilfreicher finden es einige Teilnehmer:innen der Gesprächsrunde, generelle Leitlinien für die Wahlberichterstattung zu haben – egal um welche Partei es geht. Redaktionen können zum Beispiel festlegen, dass sie ab vier Wochen vor einer Wahl nicht mehr berichten, wenn ein:e Kandidat:in beim Besuch eines Volksfests Wahlwerbung für sich macht. 
  • Weg vom Schreibtisch: Redaktionen sollten auch rund um Wahlen vor Ort präsent sein und mit den Menschen ins Gespräch kommen: Welche Themen, Sorgen und Fragen beschäftigen sie vor der Wahl?
  • Tipps für Live-Formate: Es braucht bei Veranstaltungen eine gute Moderation. Diskutierende sollten konkrete Fragen gestellt bekommen und an diese erinnert werden, wenn sie sich vom Thema entfernen. Auch das Publikum sollte konkrete Fragen stellen dürfen, aber nicht selbst zu langen Ausführungen ansetzen.
  • Anfeindungen nicht einfach hinnehmen: Angriffe auf die Pressefreiheit und auf Journalist:innen in der Berichterstattung zu thematisieren, ist keine Nabelschau, sondern wichtig.
  • Strukturen für Resilienz und Sicherheit schaffen: Wenn Redaktionen zum Beispiel von Demonstrationen und Wahlveranstaltungen berichten wollen, müssen sie auch die Infrastruktur zur Verfügung stellen, damit Journalist:innen das bewältigen und verarbeiten können – Festangestellte und Freie. Hier helfen auch Coachings, Erfahrungsaustausch und Supervision. Auch die Helpline von Netzwerk Recherche hilft bei mentalen Belastungen.

Die erste Veranstaltung in der Reihe „Wie macht ihr das eigentlich?“ war eine Kooperation von Netzwerk Recherche mit Correctiv.Lokal. Auch künftig greift die Veranstaltungsreihe Themen auf, mit denen sich Lokaljournalist:innen an den Support Desk wenden können. Die nächste Veranstaltung ist für den Sommer geplant. Wenn du dazu und zur Arbeit von Netzwerk Recherche auf dem Laufenden bleiben möchtest, kannst du dich hier für den Newsletter anmelden.

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