Verschlossene Auster 2026 geht an Berlins Regierenden Bürgermeister Kai Wegner
Der Negativpreis des Netzwerk Recherche e. V., die Verschlossene Auster für den Informationsblockierer des Jahres, geht 2026 an Berlins Regierenden Bürgermeister Kai Wegner. Das Stadtoberhaupt erhielt die Auszeichnung im Rahmen der Netzwerk Recherche Jahreskonferenz in Hamburg am Freitag (12. Juni) stellvertretend für den Berliner Senat. Dieser hatte unter der Regierungskoalition von CDU und SPD das Informationsfreiheitsgesetz (IFG) massiv eingeschränkt.
Der Senat hatte die Entscheidung offiziell mit einem Anschlag auf die Stromversorgung im Januar 2026 begründet. „Durch die Entscheidung des Berliner Senats lassen sich künftig ganze Themenbereiche leichter der Öffentlichkeit entziehen“, kritisiert Annelie Naumann, Zweite Vorsitzende von Netzwerk Recherche e. V. „Transparenz endet offenbar dort, wo sie politisch unbequem wird.“
Das IFG sah schon vor der Reform umfangreiche sicherheitsrelevante Ausnahmetatbestände vor, etwa zum Schutz sensibler Daten oder bei einer Gefährdung des Gemeinwohls. Für Journalist:innen bedeutet die Gesetzesänderung aus Sicht von Netzwerk Recherche e. V. einen klaren Rückschritt: Statt Einzelfallprüfung drohen pauschale Ablehnungen.
Bei der Preisverleihung, der Wegner fernblieb, sagte Laudatorin Tania Röttger von Abgeordnetenwatch an den Preisträger gerichtet: „Sie haben etwas, das 26,5 Jahre gehalten hat, einfach und schnell ausgehöhlt und dabei haben Sie scheinheilige Gründe vorgeschoben.“
Der jährlich vergebene Negativpreis wurde in den vergangenen Jahren unter anderem an die FIFA, die Katholische Kirche, Facebook, den ADAC, die Hohenzollern und Tesla verliehen. Alle Preisträger:innen finden Sie hier.
Das Foto der Preisverleihung kann unter Nennung des Fotocredits (Foto: Raphael Hünerfauth) kostenfrei verwendet werden. Zum Foto-Download.