Netzwerk Recherche feiert 25. Geburtstag
Vor 25 Jahren trafen sich über 40 Journalist:innen in einem beschaulichen Örtchen namens Simmerath-Erkensruhr – einem staatlich anerkannten Erholungsort im Eifel-Nationalpark, einem Ort ohne Kneipe, Restaurant und Mobilfunkempfang – und gründeten am 1. April den Verein Netzwerk Recherche. Der Journalist:innenverein war ein Gegenentwurf zu dem individualistischen und redaktionellen Einzelkämpfertum der Branche: weniger Ellenbogen, mehr Kooperationen.
Der Name ist Programm:
Netzwerk Recherche steht für Vernetzung
Seit einem Vierteljahrhundert setzt sich Netzwerk Recherche für investigative Recherchen und journalistische Qualität ein. Am bekanntesten ist sicher unsere Jahreskonferenz, die von einigen sogar nur „Die Netzwerk Recherche“ genannt wird. Sie findet seit 2002 beim NDR in Hamburg statt und im Rückblick schmunzeln wir über so manchen Konferenztitel („Sisyphos war ein glücklicher Mensch. Über:morgen. Qualitäts-Treiber Recherche“ oder „DigiTal der Ahnungslosen. Recherchen jenseits von googlen und mogeln.“) Beliebt ist das „Klassentreffen der investigativen Journalist:innen“ wie eh und je: In diesem Jahr verkauften sich die Tickets für die NR26 in weniger als einem Monat (noch bevor das Programm veröffentlicht ist)!
Ein besonderes Highlight stellte für uns die Global Investigative Journalism Conference dar. Im Spätsommer 2019 holte Netzwerk Recherche zusammen mit dem Global Investigative Journalism Network (GIJN) und Interlink Academy für fünf Tage das Zentrum des internationalen Recherchejournalismus nach Deutschland. Rund 1.700 Kolleg:innen aus 131 Ländern kamen zur vielfältigsten und bislang größten Global Investigative Journalism Conference nach Hamburg – eine motivierende und inspirierende Veranstaltung. Unvergessen bleiben die Keynote der Friedensnobelpreisträgerin Maria Ressa „An attack on one is an attack on all“ sowie die unzähligen zwischenmenschlichen Momente.


Yared Dibaba, Christophe Deloire, David Kaplan, Maria Ressa und Katharina Finke. Fotos: Nick Jaussi
Neben diesen großen Veranstaltungen schauen wir immer wieder auf spezielle und aktuelle Themengebiete des Journalismus: So versammelten wir beispielsweise im März 2025 investigative Nachwuchsjournalist:innen in Berlin, im Januar 2026 beschäftigten wir uns mit Verdachtsberichterstattung und seit zehn Jahren treffen sich Datenjournalist:innen und Wissenschaftler:innen im Herbst zur SciCAR in Dortmund.
Auszeichnungen mit Signalwirkung:
Leuchtturm und Verschlossene Auster
Wir haben bereits 23 mal den Leuchtturm-Preis für besondere publizistische Leistungen, einen Ehren-Leuchtturm für Hans Leyendecker sowie zwei Sonderleuchttürme für das Science Media Center (SMC) und Jochen Wagner (stellvertretend für viele freie Honorarkläger:innen) verliehen. Mit der Auszeichnung honorieren wir außergewöhnliche nationale oder internationale Berichterstattungen und Recherchen, die für den öffentlichen Diskurs von großer Bedeutung sind: beispielsweise Robert Pauschs Enthüllung des Plans „Operation D-Day“, die „Geheimplan“-Recherche von Correctiv, Niloufar Hamedis und Elahe Mohammadis mutige Berichterstattung aus dem Iran und Arndt Ginzels Kriegsreportagen aus der Ukraine. Andrea Röpke und Anton Maegele wurden sogar mehrfach für ihre langjährigen Recherchen im rechten Milieu ausgezeichnet.
Die erste Verschlossene Auster erhielt im Jahre 2002 Otto Schily, damaliger Bundesinnenminister, für seinen restriktiven Umgang mit den Medien. Er erschien persönlich und konnte unserem Negativpreis für Informationsblockierer:innen noch etwas Positives abgewinnen: Das Netzwerk hätte ihm genauso gut eine Goldene Miesmuschel verleihen können, sagte Schily in seiner Gegenrede. Seither haben wir viele weitere Politiker:innen, Amtsträger:innen und Regierungen (u.a. Wladimir Putin, Bayerische Staatsregierung und Volker Wissing), Unternehmen (u.a. Aldi, Facebook, Tesla), Verbände (u.a. IOC, Deutsche Bischofskonferenz, FIFA) sowie Medienakteure (Regenbogenpresse, Holger Friedrich als Verleger der Berliner Zeitung) ausgezeichnet. Einige nahmen die Auster persönlich entgegen, andere schickten Gegenreden oder Videobotschaften, in denen sie übermittelten, sie hätten etwas besseres zu tun.
Fördern, begleiten und stärken

In den vergangenen 25 Jahren hat Netzwerk Recherche mehr als 120 Recherche-Stipendien vergeben, darunter auch vielfach ausgezeichnete Arbeiten wie die Reportage von Christian Schweppe zum Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan. Darüber hinaus haben wir über 50 Journalist:innen durch Fellowships und Förderprogramme auf ihrem Weg begleitet und gestärkt: Lokaljournalist:innen haben wir eine Auszeit für investigative Recherche ermöglicht. Junge Journalist:innen mit Migrationsgeschichte, Rassismus- oder Armutserfahrungen haben wir für Praktika in renommierten Investigativredaktionen vermittelt. Und innovationsfreudige Journalist:innen haben wir bei der Gründung eigener Medien und bei der Auseinandersetzung mit strukturellen Zukunftsfragen des Journalismus unterstützt.
Der Leitspruch „Recherche fordern und fördern“ steht bis heute für das Ansinnen unseres Vereins. Wir haben Hilfestellungen und Leitplanken zum (Selbst-)Verständnis als Journalist:in (Medienkodex) sowie zum Umgang mit KI (Positionspapier zur Künstlichen Intelligenz) formuliert. Und werden uns auch weiterhin für Klarheit beim gemeinnützigen Journalismus einsetzen. Wir stärken die Auskunftsansprüche von Journalist:innen gegenüber Ministerien, Behörden und öffentlichen Unternehmen und erleichtern ihre Anwendung. Wenn Journalist:innen emotionalen oder mentalen Support wünschen, ist unsere Helpline telefonisch und per Chat erreichbar.
Gemeinsam stark durch Euer Engagement
Wir sind stolz, dass uns bereits über 1.300 Mitglieder bei der Stärkung des investigativen Journalismus unterstützen. Damit wir uns auch künftig dafür einsetzen können, diese Strukturen nicht nur zu erhalten, sondern weiter auszubauen, haben wir zum Geburtstag einen besonderen Wunsch: Wir wollen im Laufe unseres Jubiläumsjahres 250 neue Mitglieder für unseren Verein gewinnen!
Vielleicht möchtest Du selbst Teil unseres Vereins werden und unabhängigen Journalismus unterstützen? Hier findest Du alle Infos zu einer Mitgliedschaft und zum Förderkuratorium.
Oder Du kennst Kolleg:innen, für die unsere Arbeit relevant ist? Sprich mit ihnen über uns und lade sie ein, Mitglied zu werden!
Jede Mitgliedschaft bei Netzwerk Recherche trägt dazu bei, unser Engagement für Qualitätsjournalismus langfristig abzusichern. Wir freuen uns über jede Form der Unterstützung – heute und in Zukunft.
Chance auf Freitickets für die NR26
Die Tickets für die große NR-Jahreskonferenz 2026 in Hamburg sind bereits ausverkauft. Neumitglieder haben dennoch die Chance dabei zu sein: Anlässlich unseres Geburtstags verlosen wir wöchentlich unter allen Neumitgliedern, die zwischen 01. April und 10. Juni Mitglied dem Netzwerk Recherche beitreten, ein Ticket für die NR26! Jetzt Mitglied werden.
Nur für Mitgliedschaften, die im Zeitraum von 1. April bis 10. Juni 2026 neu abgeschlossen werden. Personen, die bereits in 2025 Mitglied waren, sind von der Aktion ausgeschlossen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Wir möchten Danke sagen und feiern
25 Jahre Vereinsgeschichte bedeuten über zwei Jahrzehnte ehrenamtliche Arbeit von Vorständen, engagierter Einsatz von Organisator:innen, Speaker:innen und Moderator:innen auf Konferenzen und (Online-) Veranstaltungen, Unterstützung von unseren Mitgliedern, Förderern und Partner:innen – bei Euch allen möchten wir uns sehr herzlich bedanken!
Lasst uns das Erreichte gemeinsam feiern: Im Programm der Netzwerk Recherche Jahreskonferenz am 12. und 13. Juni in Hamburg sowie bei einer besonderen Geburtstagsparty am Abend des ersten Konferenztages (hier gibt es noch Party-Tickets). Freut Euch auf einen besonderen Abend mit guter Musik, zwei Tanzflächen, einem Biergarten, leckeren Drinks und vielen Begegnungen.
