Netzwerk Recherche veröffentlicht Dokumentation zum Online-Journalismus
Weblogs, Wikis, Social Software – was passiert im Internet? Neue, einfach zu bedienende Programme ergänzen längst bekannte Technologien und erlauben eine neue Art der Kommunikation. Mit wenigen Klicks kann jeder Texte, Bilder, Videos und eigene Radiosendungen ins Netz stellen. Netzwerke spannen sich in sekundenschnelle um die Welt, praktisch jeder Internetnutzer kann zum Reporter werden. Längst werden Weblogger und Netzaktivisten zur Herausforderung für den klassischen Journalismus: Neben privaten Belanglosigkeiten findet sich gelegentlich auch qualitativ hochwertiger Journalismus im Netz. Ohne Schere im Kopf, ohne Rücksicht, oftmals subjektiv gefärbt und oft erfrischend ehrlich.

Auch die kritische Gegenöffentlichkeit vernetzt sich und erhält über gezielte Links und Suchanfragen eine nie da gewesene Popularität. Eine simple Webseite mit brisanten Informationen, erstellt in wenigen Minuten, kann binnen weniger Stunden zur Bedrohung für etablierte Akteure wie etwa große Unternehmen werden. Das ist – so Internet-Experten – der Anfang eines grundlegenden Wandels: Immer mehr Menschen gehen online, nutzen das Netz als Informationsquelle und für soziale Kontakte.

Anfang Mai führte die Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche in Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für politische Bildung zu diesem Themenkomplex eine Fachtagung in Wiesbaden durch. Die Dokumentation dieser Tagung liegt nun, ergänzt um weitere Beiträge, Glossar und Literaturliste, als Broschüre vor. Auf 160 Seiten versammelt sie siebzehn Beiträge von Journalisten, Wissenschaftlern und Medien-Aktivisten. „Der indirekte Einfluss der Internet-Kommunikation auf die journalistische Themenbildung über Suchmaschinen, Blogs und andere Kommunikationsangebote wird insgesamt unterschätzt. Deshalb beschäftigen wir uns mit den Chancen, aber auch mit den Risiken und Nebenwirkungen der wachsenden Internet-Kultur, sagte der Vorsitzende des Netzwerk Recherche, Dr. Thomas Leif, anlässlich der Vorlage der Dokumentation.

Diese gibt Einblick in erfolgreiche Internet-Kampagnen, die aktuelle soziologische Forschung, in die laufende technische Debatte und Abläufe netzinterner Kommunikation. Sie geht der Frage nach, wie sich der „klassische Journalismus“ verändert und welche Chancen soziale Bewegungen in der digitalen Welt haben.

Sie können die nr-Werkstatt als pdf-Datei herunterladen: nr-Werkstatt 02: Online Journalismus (161 S., 3 MB)

Info: Die gedruckte Werkstatt ist vergriffen.

Inhaltsverzeichnis

  • Vorwort (S. 4)
  • Statt eines Executive Summary: Livebloggingreporting / Von Jan Michael Ihl (S. 5) Cyberprotest – Möglichkeiten und Grenzen netzgestützter Proteste / Von Prof. Dr. Dieter Rucht (WZB Berlin) (S. 11)
  • Mediale Gegenöffentlichkeiten : Wie Weblogs, Wikis und freie Software neue Medienwelten erschließen / Von Erik Möller (Freier Journalist) (S. 27)
  • Alles Online? Über die Auswirkungen von Online-Medien auf die interne und externe Kommunikation von Nichtregierungsorganisationen / Von Kathrin Voss (S. 31)
  • Trendanalyse: Wie werden sich die digitale Medienszene und der klassische Journalismus entwickeln? / Von Prof. Dr. Lorenz Lorenz-Meyer (FH-Darmstadt) (S. 43)
  • Meinungsführer oder Populärmedium? Das journalistische Profil von Spiegel Online / Von Julia Bönisch (S. 50)
  • Die offene Gesellschaft, ihre Feinde und das Bloggen / Von Ulrich Speck (Historiker, Autor, Journalist, Herausgeber, Übersetzer, Redakteur, Blogger) (S. 59)
  • Was Weblogs sein können / Von Ole Reißmann (S. 63)
  • Echos aus dem Ameisenhaufen : Social Software und die Unterschiede zwischen journalistischer Produktion und Blogging / Von Albrecht Ude (Freier Journalist und Rechercheur) (S. 66)
  • Faktenkontrolle gegen die Boulevard-Welle / Von Christoph Schultheis (BILDblog.de) (S. 70)
  • Zu den Chancen des digitalen Massenprotestes : Im Internet entsteht das Online-Bürgernetzwerk „Campact“ / Von Günter Metzges (Campact.de) (S. 74)
  • Aufklärung über Lobbying, PR und Denkfabriken – neue Perspektiven durch das Internet / Von Ulrich Müller (LobbyControl) (S. 88)
  • Wie verändern Blogs und Blogger den Journalismus? Was bedeutet das für PR? / Von Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach (newsaktuell.de) (S. 97)
  • Unternehmen suchen Blogger / Von Klaus Eck (PR Blogger, Content Business Agentur econcon) (S. 103)
  • Schöne neue Videowelt? Neue Chancen für unabhängige Filmproduzenten / Von Hans Magnus Pechel (Videoproduzent) (S. 109)
  • neueWUT – Vereinzelter Protest oder neue soziale Bewegung? / Von Martin Keßler (Filmemacher und freier Fernsehjournalist) (S. 116)
  • Informationen sind schnell – Wahrheit braucht Zeit : Einige Mosaiksteine für das kollektive Netzgedächtnis / Von Rena Tangens und padeluun (Künstlergruppe Art d’Ameublemang) (S. 118)
  • OBS-Wettbewerb (S. 133)
  • Glossar (S. 137)
  • Linkliste (S. 139)
  • Fix und facettenreich – das Medienecho der Tagung (S. 144)
  • Literaturauswahl zum Thema (S. 146)
  • Die Referenten (S. 148)
  • Mainzer Medien Disput (S. 153)
  • Recherche ist das Qualitätsscharnier für einen hintergründigen Journalismus : Ein Kurz-Portrait des netzwerk recherche (nr) in 10 Punkten / von Dr. Thomas Leif (S. 156)