nr03: Die Wahrheit als Kollateralschaden – Wohin treibt der Journalismus?

Rückblick

Die nr-Jahreskonferenz 2003 fand statt am Freitag/Samstag, 23./24. Mai 2003 beim NDR Fernsehen, Hugh-Greene-Weg 1, Hamburg
Dokumentation Podiumsdiskussion

⇒ Podiumsdiskussion „Die Rolle der Medien“ mit Gerhard Schröder

Programm & Reader

⇒ Programm der nr-Jahreskonferenz 2003 [PDF-Datei, 125 KB]

Auf der Jahrestagung des netzwerk recherche am 24. Mai 2003 hat sich Bundeskanzler Gerhard Schröder für eine Überprüfung des Kartellrechts im Medienbereich ausgesprochen. Schröder regte bei der Diskussion mit Jürgen Leinemann (Der Spiegel) und Michael Jürgs (Publizist) im NDR-Konferenzzentrum ein Gespräch zwischen Verantwortlichen aus Politik und Verlagen sowie Journalisten an.

Man müsse darüber reden, „welche rechtlichen Rahmenbedingungen gesetzt werden müssen, um das Überleben einer möglichst vielfältigen Zeitungslandschaft zu ermöglichen“, sagte Schröder. Bei dem Gespräch müsse überprüft werden, ob die bestehenden kartellrechtlichen Vorschriften der Realität noch standhielten, betonte er.

„Was mir Sorgen macht, ist die wirtschaftliche Situation der Zeitungen – unabhängig davon, ob mir die Schlagzeile passt“, sagte Schröder. Neben Missmanagement in wenigen Verlagen überwögen die strukturellen Veränderungen in der Branche, die beispielsweise zu einem Einbruch bei den Stellen- und Rubrikenanzeigen führten. Schröders Schlussfolgerung: „Wir müssen da ran, ohne dass wir Subventionstöpfe aufmachen“.

Über die „Presse unter Druck – Redaktionsschluss für Zeitungen“ diskutierten in Hamburg auch die Chefredakteure der überregionalen Tageszeitungen, Hans Werner Kilz (Süddeutsche Zeitung), Frank Schirrmacher (FAZ), Giovanni di Lorenzo (Tagesspiegel), Bascha Mika (taz), Wolfgang Storz (Frankfurter Rundschau), und Stephan Richter vom Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverband. Die Diskussion soll auf netzwerkrecherche.de veröffentlicht werden.

Neben der Krise der Presse bildete die Berichterstattung über den Irak-Krieg einen weiteren Schwerpunkt der NR-Jahrestagung. In Foren und Workshops diskutierten erfahrende Journalisten über „The time after – Krieg und Krisen mit Verfallsdatum“ und das „Chaos an der Nachrichtenfront – Recherche im Krieg“. Die Ergebnisse der Foren und Workshops werden ebenfalls auf netzwerkrecherche.de veröffentlicht.

Zum Auftakt der nr-Jahrestagung meinte NDR-Intendant Jobst Plog zur derzeitigen Medienkrise: „Recherche ist ein hohes Gut, was sich einige zunehmend weniger leisteten können in unserer Branche.“ Die nr-Jahrestagung sollte einen wichtigen Beitrag dazu leisten, nicht nur die mehr als 400 Journalisten, die nach Hamburg gekommen waren, sondern auch Journalistinnen und Journalisten überall in Deutschland für das Thema Recherche zu sensibilisieren.