Sehr geehrte Damen und Herren,

ich möchte Sie darüber informieren, dass der Vorstand von netzwerk recherche am Wochenende beschlossen hat, mit dem jährlich verliehenen Negativ-Preis „Verschlossene Auster“ in diesem Jahr Redaktionen und Verlage zu würdigen, die für die Inhalte der sogenannten „Regenbogenpresse“ verantwortlich sind.

Der Preis geht deshalb (stellvertretend auch für die anderen Verlage und Redaktionen, die in diesem Medienbereich aktiv sind) an

  • die Funke Mediengruppe (für die Magazine „Die Aktuelle“, „Das goldene Blatt“, „Frau aktuell“)
  • die Hubert Burda Media Holding (für das Magazin „Freizeit Revue“)
  • die Bauer Media Group (für die Magazine „Das neue Blatt“, „Freizeitwoche“, „Neue Post“, „Das Neue“).

Mit diesem Preis soll eine breite Öffentlichkeit auf diese u.E. sehr zweifelhafte und umstrittene Form des „Journalismus“ hingewiesen werden, der offenbar das Geschäftsmodell dieser Magazine darstellt – u.a. mit irreführenden Schlagzeilen auf dem Cover, immer mal wieder falschen oder erfundenen Beiträgen im Innenteil, nicht selten Verletzung von Persönlichkeitsrechten, Manipulationen von Fotos, fehlender Nachfrage bei „Betroffenen“, keiner Bereitschaft zur freiwilligen Korrektur bei falscher Berichterstattung.

Die Folgen dieser Art des „Journalismus“ sind bekannt: Hohe Verkaufszahlen am Kiosk für Ihre Blätter. Aber eben auch regelmäßige Beschwerden beim Presserat, gerichtlich erzwungene Gegendarstellungen, wütende und berechtigte Proteste von Personen, die Gegenstand der Berichterstattung sind.

Nicht nur in Zeiten, wo viele über „Fakenews“ reden und andere mit der Parole „Lügenpresse“ gegen Medien hetzen, betrachtet netzwerk recherche diese Form des Journalismus der „Regenbogenblätter“ als besonders kritikwürdig. Er untergräbt das immer wieder geforderte Vertrauen in die Glaubwürdigkeit und Seriosität von Medien.

Ausschlaggebend für die Preisverleihung ist aber auch die nicht vorhandene Dialogbereitschaft Ihrer Verlage zu Form, Machart und Inhalte dieser Magazine. Natürlich ist niemand verpflichtet, einer Einladung von netzwerk recherche zu folgen. Aber es ist bezeichnend, dass es wochenlang überhaupt keine Reaktion Ihrer Verlage auf diese Einladungen gab – trotz mehrfacher Nachfragen.

Der aktuelle Stand (nach der zweiten „Nachfrage“): Die Funke Mediengruppe hat letzten Freitag abgesagt. Die Bauer Media Group hat ebenfalls letzten Freitag eine vage, nichtssagende Antwort gemailt. Und die Hubert Burda Media Holding hüllt sich nach wie vor in Schweigen.

Man kann über die Funktion und die Aufgaben einer „Pressestelle“ sicher unterschiedlicher Meinung sein. Sie bzw. Ihre Verlage haben sich für das wochenlange Schweigen entschieden. Andere Kollegen/innen, die kritische Anfragen an Ihre Redaktionen gerichtet haben, machten und machen ähnliche Erfahrungen. In Zeiten, wo gerade in der Medienbranche viel von Transparenz und Dialogbereitschaft geredet wird, ist nach Ansicht von netzwerk recherche ein solches Verhalten nicht akzeptabel. Und deshalb würdig genug für die Verleihung der „Verschlossenen Auster“.

Die Bekanntgabe dieser Entscheidung erfolgt am Samstag (10. Juni) um 14 Uhr auf der Jahrestagung
von netzwerk recherche in Hamburg. Selbstverständlich haben Sie die Gelegenheit zur Gegenrede, zur
Darstellung Ihrer Position. Für einen entsprechenden Hinweis wären wir dankbar.

Mit freundlichen Grüßen