Cristiano Ronaldos Steuerschulden, globale Wirtschaftsgeflechte und Spieler, die Investoren gehören – das sind drei Beispiele für die Football-Leaks-Enthüllungen von Spiegel-Reporter Rafael Buschmann und seinem Team. Dass die Recherchen kaum Konsequenzen hatten, lag für Buschmann auch an dem Verhalten anderer Sportjournalisten. Ein Interview von Marco Karp und Felix Keßler, ifp

Rafael Buschmann, Der Spiegel (Sport-Ressort)

Ihr habt diverse Vergehen des Fußballers Christiano Ronaldo aufgedeckt. Trotzdem entstand der Eindruck, dass danach einfach alles wie immer weiterging. Hättest du dir gewünscht, dass andere Sportkollegen zusätzlich Druck aufbauen?

Rafael Buschmann: Absolut. Ich hätte mir sehr gewünscht, dass Kollegen unsere Recherchen aufnehmen und intensivieren. Als wir die Vergewaltigungsvorwürfe um Ronaldo aufgedeckt hatten, haben viele Kollegen nicht über die Geschichte geschrieben oder geredet, wenn Ronaldo gleichzeitig drei oder fünf Tore in einem Spiel schoss. Dabei waren die Indizien erdrückend. Man hätte sich gewünscht, dass Kollegen die Fakten unseres Artikels nochmal abgefragt hätten. Das verstehe ich nicht. Es liegt wohl daran, dass im Sport häufig die Emotion über der rationalen Kritik steht.

An was liegt das? Besteht unter Sportjournalisten die Angst, bei kritischen Nachfragen aus der nächsten Pressekonferenz ausgesperrt zu werden?

Rafael Buschmann: Ich glaube es sind mehrere Komponenten entscheidend. Die eine Komponente ist tatsächlich, dass es Abhängigkeiten zwischen Journalisten und Vereinen gibt. Die wirken sich dann so aus, dass Zugänge zu Spielern, zu Stadien, zu Spielen verwehrt werden. Es ist extrem schwierig aus diesen Abhängigkeiten herauszukommen. Zum zweiten, glaube ich, sind Sportredaktionen zu homogen aufgestellt. Es sind oftmals reine Sportreporter, die sich mit Themen beschäftigen sollen, die sie gar nicht in der Tiefe durchblicken können. Wir hatten in unserem Team Leute dabei, die direkt aus der Wirtschaft kamen und zum Teil auch Steuerrechtsexperten, die die Daten entschlüsseln konnten. Was ich aber von Kollegen fordere ist mehr Kollegialität. Auch wenn Redaktionen nicht die Möglichkeit haben, darüber selbst zu recherchieren, können sie über unsere Ergebnisse berichten.

Du bist selbst großer Fußballfan. Wie schätzt du die Entwicklung des Fußballs ein? Werden die Clubs irgendwann nur noch großen Konzernen gehören?

Rafael Buschmann: Der Fußball bewegt sich auf einen Crash zu. Wir haben momentan eine Blase, die zeitnah – in 15 bis 20 Jahren – platzen wird. Ganz einfach, weil sich das Gros der Einnahmen im Fußball aus den Fernsehgeldern speist. Wenn sich aber irgendwann eine TV-Anstalt überhebt und beim Bieten um die TV-Rechte so viel Geld auf den Tisch legt, dass sie die Zahlungen nicht mehr leisten kann, gibt es Probleme. Wir haben das mit dem Kirch-Imperium in Deutschland erlebt, aber nichts daraus gelernt.

Was steckt hinter den Football-Leaks? Vergangenes Jahr erreichten Spiegel-Journalist Rafael Buschmann viele geheime Dokumente. Whistleblower „John“ schickte ihm 1,9 Terabyte geheime Daten. 18,6 Millionen Dokumente über Verträge, Verhandlungen und Abkommen, die in die Schattenwelt des Fußballs entführen. Die Football-Leaks zeigen die Skrupellosigkeit und Kriminalität mancher Funktionäre. Weitere Informationen zum Panel: sched.co/AZFs