Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

Noch 87 Tage bis zur Bundestagswahl, gut zwoelf Wochen, der Wahlkampf laeuft an. Und wie jedes Mal wird die Politik in den Wochen vor der Wahl versuchen, uns Journalisten ihre Themen aufzudruecken. Mit Pressekonferenzen, mit inszenierten Hausbesuchen, mit Reformkonzepten.

Dem Programm der Politiker zu folgen, das ist einfach, das ist der Weg des geringsten Widerstandes. Und manchmal laesst es sich auch nicht vermeiden. Aber je oefter es uns gelingt, eigene Themen zu setzen, umso besser. Dafuer braucht es Recherche. Dafuer braucht es Haltung. Und dafuer braucht es das Verstaendnis, dass wir als Reporter nicht die Ueberbringer politischer Botschaften sind, sondern die Stellvertreter unseres Publikums.

Armin Wolf zeigt, wie dieses Verstaendnis in der Praxis aussehen kann. Der oesterreichische Fernsehmoderator hat in diesem Jahr vom netzwerk recherche den „Leuchtturm fuer besondere publizistische Leistungen“ verliehen bekommen. Wolf erklaert seine Arbeit in einfachen Worten. Er „konfrontiere Politiker mit kritischen Fragen, Gegenargumenten und Widerspruch. Danach sind wir im Idealfall alle informierter: ueber das Thema und auch den Politiker“.

Ich bin der festen Ueberzeugung, dass wir Journalisten die Pflicht haben, unsere Inhalte dorthin zu bringen, wo unser Publikum ist. Und dass wir sie so aufbereiten muessen, dass sie moeglichst einfach verdaut werden koennen. Gerade jetzt, im Wahlkampf, in dem Parteien genau das gleiche probieren. Immer klueger, immer aggressiver.

Armin Wolf macht das hervorragend. Er ist wohl auch deshalb der bekannteste oesterreichische Journalist, weil er auf Facebook und Twitter so praesent, engagiert und transparent ist, wie kaum ein Zweiter. Ich empfehle dringend, ihm auf diesen Plattformen zu folgen.

Die Jahreskonferenz des netzwerks ist fuer mich jedes Jahr einer der journalistischen Hoehepunkte. Weil sie motiviert. Weil sie dazu anregt, mal wieder kurz innezuhalten und ueber den eigenen Job nachzudenken. Falls Sie Anfang Juni selbst in Hamburg dabei waren, haben Sie hoffentlich aehnliche Erfahrungen gemacht (oder melden sich sonst mit Verbesserungsvorschlaegen bei uns). Falls sie nicht dabei waren, koennen Sie viele Diskussionen und Workshops noch einmal nachschauen und -lesen. Die Links finden Sie weiter unten. Ich verspreche Ihnen, es lohnt sich.

Es gruessen

Daniel Drepper
Albrecht Ude

## Inhaltsverzeichnis.

01: Editorial

Abschnitt Eins: In Eigener Sache
02: Jahrestreffen netzwerk recherche
03: Leuchtturm fuer besondere publizistische Leistungen
04: Verschlossene Auster fuer die Regenbogenpresse
05: Neuer Vorstand des gewaehlt
06: nr-Stammtisch Berlin : Scrapen fuer Journalisten

Abschnitt Zwei: Veranstaltungen
07: Protest gegen Start der Vorratsdatenspeicherung
08: Verleihung des n-ost-Reportagepreises
09: 7. Potsdamer I-Science Tag „Mit Fakten gegen Fake News“
10: CampfireFestival fuer Journalismus und neue Medien
11: Call for Papers : Workshop „Sicherheit in vernetzten Systemen“
12: Informatik 2017: „Digitale Kulturen“
13: Online Umfrage zur Klimaberichterstattung

Abschnitt Drei: Nachrichten
14: Appell des AK Vorrat: Verfassungswidrige Vorratsdatenspeicherung wegklagen, nicht umsetzen!
15: „Echtjetzt“ Fact Checking bei Correctiv
16: EIJC Tipsheets

Abschnitt Vier: Seminare, Stipendien, Preise
17: Tutzinger Journalistenakademie: Daten und sichere Recherche
18: Grow: Stipendien fuer Gruender im Non-Profit-Journalismus
19: Seminare mit Recherchebezug

Abschnitt Fuenf: Pressespiegel
20: Empfehlung [d. Red.]
21: Jahrestreffen netzwerk recherche
22: Leuchtturm fuer besondere publizistische Leistungen
23: Verschlossene Auster
24: Journalismus
25: „Fake News“
26: Ueberwachung

27: Link-Index
28: Technische Hinweise
29: Impressum

Nr. 150 vom 29.06.2017