Chancen, Risiken und Nebenwirkungen der Internet-Kommunikation

07./08. Mai 2005, Wiesbaden
Kommunikations-Fachtagung des netzwerk recherche e.V. in Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für politische Bildung

Weblogs, Wikis, Social Software – was passiert im Internet? Neue, einfach zu bedienende Programme ergänzen längst bekannte Technologien und erlauben eine neue Art der Kommunikation. Mit wenigen Klicks kann jeder Texte, Bilder, Videos und eigene Radiosendungen ins Netz stellen. Netzwerke spannen sich in sekundenschnelle um die Welt, praktisch jeder Internetnutzer kann zum Reporter werden. Längst werden Weblogger und Netzaktivisten zur Herausforderung für den klassischen Journalismus: Neben privaten Belanglosigkeiten findet sich gelegentlich auch qualitativ hochwertiger Journalismus im Netz. Ohne Schere im Kopf, ohne Rücksicht, oftmals subjektiv gefärbt und oft erfrischend ehrlich.

Auch die kritische Gegenöffentlichkeit vernetzt sich und erhält über gezielte Links und Suchanfragen eine nie da gewesene Popularität. Eine simple Webseite mit brisanten Informationen, erstellt in wenigen Minuten, kann binnen weniger Stunden zur Bedrohung für etablierte Akteure wie etwa große Unternehmen werden. Das ist – so Internet-Experten – der Anfang eines grundlegenden Wandels: Immer mehr Menschen gehen online, nutzen das Netz als Informationsquelle und für soziale Kontakte.

Anfang Mai führte die Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche in Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für politische Bildung zu diesem Themenkomplex eine Fachtagung in Wiesbaden durch. Die Dokumentation dieser Tagung liegt nun, ergänzt um weitere Beiträge, Glossar und Literaturliste, als Broschüre vor. Auf 160 Seiten versammelt sie siebzehn Beiträge von Journalisten, Wissenschaftlern und Medien-Aktivisten. “Der indirekte Einfluss der Internet-Kommunikation auf die journalistische Themenbildung über Suchmaschinen, Blogs und andere Kommunikationsangebote wird insgesamt unterschätzt. Deshalb beschäftigen wir uns mit den Chancen, aber auch mit den Risiken und Nebenwirkungen der wachsenden Internet-Kultur”, sagte der Vorsitzende des Netzwerk Recherche, Dr. Thomas Leif, anlässlich der Vorlage der Dokumentation.

Diese gibt Einblick in erfolgreiche Internet-Kampagnen, die aktuelle soziologische Forschung, in die laufende technische Debatte und Abläufe netzinterner Kommunikation. Sie geht der Frage nach, wie sich der “klassische Journalismus” verändert und welche Chancen soziale Bewegungen in der digitalen Welt haben.

Zur Dokumentation der Fachtagung in Form der nr-Werkstatt gelangen sie hier.

Konferenzprogramm
Samstag, 07.05.2005

  • 10.00 h: Prof. Dr. Dieter Rucht (wzb Berlin)
    Cyberprotest: Möglichkeiten und Grenzen netzgestützter Proteste
  • 11.30 h: Erik Möller (Publizist)
    Mediale Gegenöffentlichkeit – Wie Weblogs, Wikis und freie Software die Medien-Welt verändern
  • 14.30 h: Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach (newsaktuell)
    Der Einfluß der Blogger auf Journalismus und PR – Fallbeispiele
  • 15.30 h: Christoph Schultheis (Bildblog.de)
    Faktenkontrolle gegen die Boulevard-Welle
  • 16.30 h: Günter Metzges (Move On)
    Zu den Chancen des digitalen Massenprotests (Projekt der Bewegungs-Stiftung)
  • 17.30 h: Klaus Eck (econcon – content business agentur)
    Blogging gegen PR – wie reagiert die Wirtschaft
  • 19.30 h: Referat und Projektvorstellung: Politische Dokumentarfilmer und Video-Aktivisten – Welche Öffentlichkeit erreichen sie noch?
    Hans Magnus Pechel “Zwischen allen Stühlen – welche Chancen hat ein “halbprofessioneller” DV-Einzelkämpfer im aktuellen Medienbetrieb”
    Martin Kesslerm”Neue Wut – vereinzelter Protest oder neue soziale Bewegung?”

Sonntag, 08.05.2005

  • 9.00 h: Ulrich Müller (Projekte “LobbyControl”, “Gesteuerte Demokratie”)
    Aufklärung über Lobbying, PR und Denkfabriken im Internet – (neue) Perspektiven in Deutschland
  • 10.00 h: Heiko Hebig (Six Apart)
    Weblogs – Beobachtungen aus Europa; ein internationaler Vergleich
  • 11.00 h: Rena Tangens (Big Brother Awards.de)
    Big Brother Award als neue Form der Gegenöffentlichkeit – Wie können erfolgreiche Kommunikationsstrategien einer kritischen Öffentlichkeit entwickelt werden?
  • 12.00 h: Prof. Dr. Lorenz Lorenz-Meyer (FH Darmstadt)
    Trendanalyse: Wie wird sich die digitale Medien-Szene und der klassische Journalismus entwickeln?
  • 12.45 h: Auswertung der Tagung

Tagungsmoderation: Dr. Thomas Leif (netzwerk recherche)

Einladung und Programm der nr-Fachkonferenz “Medienrevolution” 2005 (2 S. 95 KB) [PDF]