„Ein Gefühl für die Stärken des Datenjournalismus entwickeln“

Vier Fragen an… Björn Schwentker, freier Datenjournalist

netzwerk recherche e.V. Jahreskonferenz 2014

Björn Schwentker (Foto: Raphael Hünerfauth)

1. Welche besonderen Herausforderungen stellen sich für Datenjournalisten in Deutschland?
Die größte Herausforderung für den Datenjournalismus ist, dass wir ein Verständnis dafür entwickeln, was eigentlich guter Datenjournalismus ist und was wir damit wollen. Man kann das bei den Top-Leuten aus der Schweiz und aus den USA sehen, die schon ein weitergehendes Verständnis davon haben, dass Datenjournalismus vor allem eine Recherchedisziplin ist. Es darf auch sein, dass richtig recherchiert wird und dann stirbt ein Thema, weil es nichts her gibt oder weil es die Daten nicht gibt. Wir müssen ein Gefühl für die Stärken des Datenjournalismus entwickeln, aber auch seine Grenzen kennenlernen. Das ist die große Herausforderung, die wir jetzt vor uns haben. Weiterlesen

„Muster erkennen, Strukturen verstehen“

Vier Fragen an… Volker Stollorz, freier Journalist mit Schwerpunkt Medizin

Volker Stollorz (Foto: Raphael Hünerfauth)

1. Welche besonderen Herausforderungen stellen sich für den Datenjournalismus in Deutschland?
Ich sehe – vor allem in meiner Rolle als Medizinjournalist – drei Dinge, die zu verbessern wären. Erstens: Transparenz. Während es in den Ländern wie den USA Projekte wie Dollars for Docs von ProPublica gibt, wo Zahlungen von Pharmafirmen an Ärzte veröffentlicht werden, um Interessenkonflikte erkennen zu können, sind solche Daten in Deutschland nicht zugänglich. Vielleicht wird so etwas ab 2016 möglich, aber fehlende Daten und mangelnde Transparenz sind in der gesamten Medizin hierzulande ein Problem. Zweitens: Teambildung. Die Kompetenzen im Datenjournalismus sind meist verteilt auf mehrere Personen. Es braucht aber Koordination und Strukturen für eine Teambildung, zur Auswertung diffiziler Datensätze und zum Geschichten finden und aufbereiten. Drittens: Bewusstseinsbildung. Im Zusammenhang mit der Verfügbarkeit von Daten muss sich ein stärkeres Bewusstsein für die Macht von Daten entwickeln – und dafür, wie sich damit Geschichten auf originelle Art erzählen lassen. Weiterlesen

„Wir brauchen ein Netzwerk außerhalb der Redaktionen“

Vier Fragen an… Christina Elmer, Redakteurin SpiegelOnline

Christina Elmer (Foto: Wulf Rohwedder)

1. Welche besonderen Herausforderungen stellen sich für Datenjournalisten in Deutschland?
Journalisten betreten im Datenjournalismus ein Feld, das es hierzulande noch nicht so lange gibt. Wir gestalten dieses Feld momentan, da gilt es, Strukturen aufzubrechen und neue Formate auszuprobieren. Wir sind also dabei, Pionierarbeit zu leisten. Gesellschaftlich gesehen müssen wir den Gedanken von OpenData weiter voran treiben, da es OpenData in Deutschland noch nicht solange gibt wie zum Beispiel in den USA oder anderen europäischen Ländern. Weiterlesen

“Wir brauchen eine Anlaufstelle”

Vier Fragen an… Claus Weihs, Statistik-Professor an der TU Dortmund

Claus Weihs (Foto: Privat)

1. Welche besonderen Herausforderungen stellen sich für Datenjournalisten in Deutschland?
Datenjournalisten benötigen neben dem journalistischen Handwerkszeug eine umfangreiche technische Ausbildung. Sie müssen in der Lage sein, Daten vernünftig auszuwerten. Das ist eine große Herausforderung, denn die Methoden und die Computer entwickeln sich ständig weiter. Daher empfehle ich Datenjournalisten, unbedingt mit Statistikern und Informatikern zusammen zu arbeiten. Gesellschaftlich ist der Datenjournalist aus meiner Sicht ähnlichen Anforderungen ausgesetzt, wie der Journalist an sich. Weiterlesen

Vom (Un)Sinn der Recherchekooperationen

Panel zu Kooperationen mit Hans Leyendecker, Jörg Eigendorf, Jakob Augstein, Lutz Marmor und Moderator Torsten Zarges (v.l.n.r.; Foto: Wulf Rohwedder)

Wenn öffentlich-rechtliche Sender und privatwirtschaftliche Verlage kooperieren, schreien Medienrechtler auf. Die, die nicht mitmachen dürfen, auch.

Journalisten teilen Informationen, Medien kooperieren. Das war schon immer so. Ohne großes Brimborium und ohne, dass es institutionalisiert werden musste. Im Februar 2014 änderte sich das: SZ, NDR und WDR riefen unter der offiziellen Leitung von Georg Mascolo eine Recherchekooperation aus.
Feste Regeln gibt es für diese Kooperation nicht. “Es gibt keinen Vertrag, keinen Automatismus. Wo es sich ergibt, da arbeiten wir zusammen”, das betont Hans Leyendecker, Chef der Rechercheabteilung bei der Süddeutschen Zeitung, in der Diskussion immer wieder. Den einzigen Vertrag habe Georg Mascolo als Leiter – und der sei gleich bei allen drei Medien angestellt, bei den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten und bei der privaten SZ.

Auf dem Podium, im Publikum und auf Twitter wird darüber heiß diskutiert: Weiterlesen

„Nicht zu leicht geschlagen geben“

Vier Fragen an… Sylke Gruhnwald, Leitung Data-Journalismus, Neue Zürcher Zeitung

Sylke Gruhnwald (Foto: Raphael Hünerfauth)

1. Welche besonderen Herausforderungen stellen sich für Datenjournalisten in Deutschland?
Eine besondere Herausforderung birgt oftmals der Zugriff auf unterschiedlichen Datenquellen, sprich die Verfügbarkeit von Datensätzen und Dokumenten. Welche Datensätze und Dokumente sind öffentlich zugänglich, welche sind weggeschlossen? Wir nutzen das Schweizerische Öffentlichkeitsgesetz oder die Informationsfreiheitsgesetze in Deutschland und auf Ebene der Europäischen Union, um Zugriff auf solche bis dato verschlossenen Informationen der öffentlichen Verwaltungen zu bekommen. Verschiedene Initiativen auf nationaler und internationaler Ebene unterstützen und stärken Journalisten darin, diese an die Öffentlichkeit zu bringen. Dazu zählen Öffentlichkeitsgesetz.ch, Transparenzsgetz.at, Fragdenstaat.de und Asktheeu.org. Weiterlesen

„Das ist wie schreiben lernen“

Vier Fragen an… Brigitte Alfter

Brigitte Alfter (Foto: Wulf Rohwedder)

1. Welche besonderen Herausforderungen stellen sich für Datenjournalisten in Deutschland?
Das Problem ist, die relevanten Daten aus den Behörden rauszuholen. Der Traum im Moment ist es, dass Datenjournalismus alles Mögliche lösen kann. Aber ich sehe Datenjournalismus als eine von mehreren Methoden. Wir dürfen uns nicht blenden lassen und denken, dass in den Daten alles drin steckt. Wir müssen eine ganze Menge andere Recherchen betreiben. Daten sind der Ausgangspunkt für eine bestimmte Story und nicht die Lösung. Weiterlesen

“Money for nothing?“

Vier Fragen an… Marco Maas

Marco Maas (Foto: Raphael Hünerfauth)

1. Welche besonderen Herausforderungen stellen sich Datenjournalisten in Deutschland?
Erst einmal stellt sich die Herausforderung, damit Geld zu verdienen. Das ist eine der größten Herausforderungen, weil die Redaktionen heutzutage noch nicht die datenjournalistischen Kompetenzen schätzen und aufbauen. Und das ist etwas, das es für freie oder externe Journalisten schwer macht, sich in diesem Bereich zu etablieren. Gesellschaftlich werden wir uns der Frage stellen müssen, ob es wirklich gerechtfertigt ist, so viel Aufwand in solche Sachen reinzustecken: Sind die Dinge, die wir damit aufdecken, wirklich so relevant, dass es sich lohnt, mehr daraus zu machen als hübsche Grafiken, die sich bewegen. Die Frage ist: Wo ist der Mehrwert? Ich glaube aber, dass wir in einer Welt leben, die immer technischer wird. Daher brauchen wir Experten, die verstehen mit diesen Daten umzugehen. Weiterlesen

„Wir sprechen ja auch nicht vom ‚Telefonjournalismus‘“

Vier Fragen an… Miguel Paz

Miguel Paz (Foto: Raphael Hünerfauth)

1. Welche besonderen Herausforderungen stellen sich für Datenjournalisten in Deutschland?
Journalisten weltweit und eben auch in Deutschland müssen verstehen, dass Datenjournalismus ein Teil davon ist, wie Journalismus heute funktioniert. Eigentlich ist es nur eine Methodologie, ein Werkzeug, das wir zwar Datenjournalismus nennen, sich aber auf alle verschiedenen journalistischen Sparten anwenden lässt. Sei es im Sportjournalismus oder im Gesundheitsjournalismus. Irgendwann, wird man gar nicht mehr über „den“ Datenjournalismus sprechen, sondern über die Werkzeuge, die er dem Journalisten zur Verfügung stellt. Wir sprechen ja auch nicht vom „Telefonjournalismus“. Einfach, weil es ganz normal ist, ein Telefon zu verwenden. Dahin auch mit dem zu kommen, was wir heute Datenjournalismus nennen, sollte das Ziel sein. Denn Datenjournalismus führt zu einem besseren Journalismus – das sollten die Redaktionen verstehen und vorleben. Außerdem sind die Zeiten des Journalisten als einsamem Wolf ohnehin vorbei – so unromantisch das klingen mag. Wir müssen uns zu Teamplayern entwickeln. Und wenn wir vor einem Berg an Daten sitzen, dann muss einer im Team sein, der sie entschlüsseln kann. Weiterlesen

Datenschutz mit zweierlei Maß

Vier Fragen an… Gregor Aisch

Gregor Aisch (Foto: Benjamin Richter)

Welche besonderen Herausforderungen stellen sich für Datenjournalisten in Deutschland?
Zunächst gibt es in Deutschland noch einen großen Erklärungsbedarf bei den Redaktionen. Es geht um die Bedeutung des Datenjournalismus und der Datenvisualisierung. In USA ist dies seit langem keine Frage mehr. Jede Zeitung hat eine „Data-Driven-Journalism“-Abteilung. Dazu müssen die Redaktionen Mittel für den Datenjournalismus zur Verfügung stellen und Weiterbildungen für Journalisten ermöglichen. Journalisten brauchen auch eine Selbstmotivation, um sich mit Daten zu beschäftigen. Eine weitere Herausforderung ist es in Deutschland, dass die Anzahl von datenaffinen Journalisten zu niedrig ist. Sie sind nur 20 oder 30 im ganzen Land. Das reicht nicht für alle Zeitungen und Zeitschriften. Allein bei der New York Times sind wir mehr als 40. Zum Schluss ist die Datenverfügbarkeit in Europa noch nicht zufriedenstellend, wenn gleich dieser Prozess auf einem guten Weg ist. Weiterlesen

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